Elgg ist meine Heimat, «mini Schwiz»
20.01.2026 ElggEin Gespräch mit Renate Katterbach, Präsidentin des Heimatmuseums Elgg
Persönlicher Hintergrund
Frau Katterbach, wo sind Sie aufgewachsen und welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Kindheit?
Renate Katterbach Ich ...
Ein Gespräch mit Renate Katterbach, Präsidentin des Heimatmuseums Elgg
Persönlicher Hintergrund
Frau Katterbach, wo sind Sie aufgewachsen und welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Kindheit?
Renate Katterbach Ich bin in Elgg aufgewachsen – und blicke auf eine sehr schöne, behütete Jugend zurück. Meine Eltern waren im Aufbau ihres Geschäfts, wir hatten nicht viel Geld, aber sie wollten immer, dass es uns Kindern einmal besser geht. Dieser Gedanke hat mich sehr geprägt. Ich hatte ein wunderbares Umfeld, viel Zeit mit Cousinen und Cousins, und wir Kinder waren ständig draussen unterwegs. Reiten, Schwimmen, im Schwümbi – das gehörte einfach zur Elgger Jugend.
Meine Mutter hat schon sehr früh, als ich zwölf war, im Haus mit Garage einen Coiffeursalon eingerichtet. Für mich war deshalb schon als Kind klar: Das wird auch mein Beruf. Ich hatte eine sehr junge Mutter, und wir hatten ein unglaublich enges, vertrauensvolles Verhältnis. Das war ein grosses Geschenk.
Können Sie uns etwas über Ihre Familie erzählen – und wie Ihr Weg Sie nach Elgg geführt hat?
Meine Mutter stammt aus Winterthur, mein Vater ist auf dem Weidhof bei Gyrenbad aufgewachsen. Beide sind nach Elgg gekommen und haben hier ihre Heimat gefunden. Elgg war immer unser Lebensmittelpunkt – familiär, beruflich und gesellschaftlich. Dieses Verwurzeltsein hat mir viel Sicherheit gegeben.
Beruflicher Werdegang
Welchen Beruf haben Sie ursprünglich erlernt?
Nach einem Haushaltsjahr in Schottikon kam anschliessend die dreijährige Ausbildung als Coiffeurin in Winterthur. Unser Pfarrer meinte dazu, für die einen Elgger beginnt die grosse Welt in Schottikon.
Mit 20 Jahren durfte ich bereits die Meisterprüfung ablegen – damals etwas Aussergewöhnliches, was nur möglich war, da ich im elterlichen Betrieb arbeitete. 1971 konnte ich den Salon meiner Mutter in Elgg übernehmen, die weiterhin mitarbeitete. Weiterbildung war für mich immer sehr wichtig: Ich besuchte Kurse in Paris, London und in den USA. Die Kundschaft schätzte das – viele Kunden kamen gerade deshalb von weit her immer wieder zu uns. Wir bildeten Lehrlinge aus, organisierten Modeschauen und Frühlingsbälle – der Coiffeursalon war damals ein Treffpunkt, ein gesellschaftliches Ereignis. Eine Boutique eröffnete ich an der Vordergasse, welche nach ein paar Jahren meine Cousine übernahm.
Wie liess sich Beruf und Familie verbinden?
1979 habe ich geheiratet. Meinen Mann, Jürgen Katterbach, lernte ich beim Skifahren kennen. Er kommt ursprünglich aus Bochum, doch wir entschieden uns bewusst, wegen der Familie in Elgg zu bleiben. Ich hatte das grosse Glück, einen Mann zu haben, der mich immer unterstützt hat – genauso wie meine Eltern.
Wir haben zwei Kinder. Eine Tochter ist Zahnärztin, ein Sohn führt in Deutschland einen grossen Coiffeursalon. Familie und Beruf waren immer eng miteinander verbunden. Unsere Kinder waren oft bei uns im Geschäft oder bei den Grosseltern. Wenn eine Familie zusammenarbeitet und sich gegenseitig unterstützt, wird vieles einfacher – die gegenseitige Hilfe besteht auch heute bei meinen Kindern mit sechs Enkeln.
Der Weg zum Heimatmuseum
Wie sind Sie erstmals mit dem Heimatmuseum Elgg in Kontakt gekommen?
Über meine Kundschaft. Ich hatte mehrere Kundinnen und Kunden, die im Vorstand des Heimatmuseums aktiv waren und immer begeistert davon erzählten. Als mein Vater verstarb, übergaben wir viele persönliche Gegenstände dem Museum. In diesem Zusammenhang fragte man mich, ob ich mir eine Mitarbeit im Vorstand vorstellen könnte.
Nach einiger Zeit fragte mich Thomas Ziegler, ob ich das Präsidium übernehmen würde. Ich hatte eigentlich keine genaue Ahnung, was da alles auf mich zukommt – aber ich sagte zu.
Seit wann sind Sie Präsidentin des Heimatmuseums Elgg?
Seit sieben Jahren. Die ehemalige Präsidentin des Museums, Hedi Jucker, beendete Ihre Tätigkeit nach 50 Jahren. Sie unterstützte mich anfänglich sehr. Die Administration war dank meiner Vorgängerin gut organisiert, aber es gab viel aufzuräumen, zu ordnen und neu zu strukturieren. Heute ist das Museum nach viel Fronarbeit offen, gepflegt und lebendig – darauf bin ich stolz.
Heutige Verantwortung und Engagement
Welche Aufgaben umfasst Ihre Tätigkeit als Präsidentin konkret?
Man ist eigentlich täglich dabei. Im Winter plane ich das kommende Jahr, sammle Ideen, besuche andere Museen, lese Fachliteratur und lasse mich inspirieren. Ich habe – wie früher im Coiffeurberuf – auch hier Weiterbildungen besucht, etwa zur Museumsarbeit und zur richtigen Konservierung und Erhaltung der Objekte. Im Museum heisst restaurieren nicht erneuern, sondern bewahren.
Wir sind unter anderem Mitglied beim «muse-um zürich» und lassen uns immer wieder von neuen Inputs, etwa von TIM-Ausstellungen, inspirieren. Aufräumen, kontrollieren, organisieren – das gehört genauso dazu wie der lebendige Austausch mit Menschen.
Wie gross ist das Team, das Sie unterstützt?
Zwei Cousinen und eine Helferin unterstützen mich regelmässig, im Frühling sind wir zu viert für den grossen Hausputz. Wenn ich Hilfe brauche, kann ich jederzeit im Vorstand nachfragen. Wir sind fünf Vorstandsmitglieder. Für spezielle Arbeiten kommen Handwerker – vieles mache ich aber selbst.
Welche Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen?
Besonders wichtig sind mir Sonderausstellungen, die sich an ein breites Publikum richten. Ich versuche fast jeden Öffnungs-Sonntag eine kleine Aktivität anzubieten, damit Menschen unterschiedlichen Alters ins Museum kommen. Die Lego Ausstellung für Kids war ein grosser Publikumserfolg.
Sehr am Herzen liegt mir auch die Zusammenarbeit mit der Schule. Mit einer vierten Klasse mache ich Dorfrundgänge, zeige alte Bilder und vergleiche «früher und heute». Die Gemeinde unterstützt uns dabei mit Dorfplänen. Dank solcher Angebote konnten wir die Besucherzahlen von rund 250 auf etwa 900 pro Jahr steigern.
Welche Herausforderungen sehen Sie im heutigen Museumsbetrieb?
Die grösste Herausforderung ist die Auswahl: Was zeigen wir, was lagern wir ein? Man muss Prioritäten setzen. Mich persönlich interessiert die Geschichte ab etwa 760 - erste Erwähnung des Fleckens Elgg.
Blick in die Zukunft
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Heimatmuseums Elgg?
Dass wir diesen lebendigen Weg beibehalten können. Nächstes Jahr möchte ich vermehrt lokale Vereine einladen – etwa den Bienenzüchterverein oder den Pilzverein etc., damit sie sich im Museum mit Ausstellungen präsentieren können. Das Museum soll ein lebendiger Treffpunkt sein und bleiben.
Wie möchten Sie die jüngere Generation für Geschichte begeistern?
Wenn Kinder im Museum sind, sind sie begeistert – aber oft fehlt die Nachhaltigkeit. Darum setze ich auf Erlebnisse: Dorfrundgänge, Mitmach-Aktionen oder Projekte wie ein Schloss-Modell, das man zusammenbauen kann, etwa mit Bezug zur Kyburg. Wir sind ein Verein und leben von Mitgliederbeiträgen – darum ist es umso wichtiger, Menschen emotional zu erreichen.
Und zum Schluss: Was bedeutet Ihnen Elgg persönlich?
Elgg ist meine Heimat, «mini Schwiz». Wir leben hier in einer heilen Welt, man kennt sich, man hilft einander. Für mich ist es der schönste Ort der Welt.
In diesem Jahr wird das Museum an zwei zusätzlichen Sonntagen geöffnet sein –, am Anlass des HGV am 10. Mai und am internationalen Museumstag am 17. Mai.
Die Ehrung am Neujahrsapéro durch Gemeinderats-Präsidentin Ruth Büchi-Vögeli für Renate Katterbachs jahrzehntelanges Engagement in Beruf, Gewerbe, Kultur und Vereinsleben hat Renate Katterbach sehr berührt und zeigt, wie wertvoll ihr persönlicher Einsatz für Elgg und seine Menschen ist.
INTERVIEW EMANUELA MANZARI
Eröffnung des Heimatsmuseums
Die Eröffnung des Heimatsmuseums findet am Sonntag 3. Mai statt, unter dem Motto «Vereine stellen sich vor». Zusätzlich ist das Museum an zwei Sonntagen im Mai geöffnet: am 10. und 17. Mai. Weitere Informationen findet man unter: www.heimatmuseum-elgg.ch


