Eine Studie aus der Schublade – und ein neuer Blick auf Aadorfs Zukunft
10.09.2026 AadorfDie Standortfrage rund um Feuerwehr, EW, Schule und Gewerbe beschäftigt Aadorf seit Jahren. Bereits 2018 entwickelte Marco Heider eine Studie zur langfristigen Standortplanung für öffentliche Bauten in Aadorf. Nach dem Nein zum Neubau Löracker ist der damalige Vorschlag wieder ...
Die Standortfrage rund um Feuerwehr, EW, Schule und Gewerbe beschäftigt Aadorf seit Jahren. Bereits 2018 entwickelte Marco Heider eine Studie zur langfristigen Standortplanung für öffentliche Bauten in Aadorf. Nach dem Nein zum Neubau Löracker ist der damalige Vorschlag wieder auf dem Tisch. Im Zentrum steht die «Groosswis» zwischen Aadorf und Guntershausen.
Manche Ideen brauchen Zeit, bis sie wieder aktuell werden. Eine solche Idee stammt aus dem Jahr 2018: Damals erarbeitete Marco Heider eine umfassende Studie zur langfristigen Standortplanung für Feuerwehr und EW sowie für weitere öffentliche Nutzungen in Aadorf. Die Studie wurde der Gemeinde vorgestellt und später, im Jahr 2021, im Rahmen der Schulraumplanung auch der Schulbehörde unterbreitet.
Heute, acht Jahre später, könnte der damalige Ansatz eine neue Betrachtung verdienen. Denn die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Der geplante Neubau Löracker wurde 2025 vom Aadorfer Stimmvolk abgelehnt. Damit stellt sich die Frage nach der langfristigen Entwicklung der öffentlichen Infrastruktur erneut.
Was wurde aus der Studie?
Mit der Annahme des neuen Zonenplans im Jahr 2022 geriet Heiders Studie zunehmend aus dem Blickfeld. Grosse Flächen wurden für Wohnnutzungen um- beziehungsweise eingezont. Gleichzeitig wurden die Bedürfnisse von Gewerbe, Industrie und öffentlichen Nutzungen aus Sicht des Studienverfassers nicht ausreichend berücksichtigt. Die Studie verschwand damit sinngemäss in der «Schublade» – oder, wie man in Aadorf vielleicht sagen könnte, im «Chübel».
Neue Aktualität erhielt die Studie nach dem deutlichen Nein der Aadorfer Stimmberechtigten zum geplanten Neubau Löracker im Jahr 2025. In der Folge wurde der frühere Vorschlag wieder hervorgeholt und verschiedenen Parteivertretern sowie einem Vertreter der Bürgergemeinde präsentiert.
Zentraler Standort als langfristige Option
Im Zentrum der Studie steht die Parzelle Groosswis zwischen Aadorf und Guntershausen. Ein idealer, zentraler Standort für die gesamte Munizipalgemeinde. Heiders Ansatz geht über die Planung eines einzelnen Gebäudes hinaus. Vorgeschlagen wird ein zentraler und strategisch gut gelegener Standort, an dem verschiedene öffentliche Nutzungen langfristig geplant und allenfalls gebündelt werden könnten.
Damit würde sich die Gemeinde nicht nur fragen, wo das nächste Gebäude gebaut werden kann, sondern vielmehr, welche Infrastruktur Aadorf in den kommenden Jahrzehnten benötigt und wo diese sinnvoll angesiedelt werden könnte. Es geht somit um eine langfristige Gesamtplanung anstelle von Einzelprojekten.
Bundeseigenes Land und möglicher Realersatz
Interessant ist die Eigentumssituation der «Groosswis». Das Land gehört der Forschungsanstalt Agroscope Tänikon, also dem Bund. Bereits bei der Ausarbeitung der Studie im Jahr 2018 habe seitens der Forschungsanstalt grundsätzlich Bereitschaft bestanden, das Grundstück gegen Realersatz abzutauschen. Die Bürgergemeinde Aadorf hat sich in einem ersten Gespräch über einen möglichen Realersatz positiv gezeigt.
Eine solche Lösung wäre allerdings mit erheblichen planerischen Anforderungen verbunden. Die Parzelle befindet sich heute in der Landwirtschaftszone. Für die vorgesehene Nutzung müsste sie entsprechend umgezont werden.
Ein solcher Prozess lässt sich nicht kurzfristig realisieren. Er müsste politisch beschlossen und anschliessend durch die entsprechenden raumplanerischen Verfahren geführt werden. Auch der Kanton wäre dabei einzubeziehen. Gerade deshalb versteht Heider die «Groosswis» nicht als kurzfristige Alternative, sondern als langfristige strategische Option.
200 Wohnungen könnten Standort aufwerten
Für den Standort spricht aus Sicht der Studie auch die absehbare Entwicklung in der unmittelbaren Umgebung. Auf der benachbarten Parzelle «Teewang» sollen in den kommenden Jahren rund 200 Wohnungen entstehen. Damit dürfte die Bevölkerung in diesem Gebiet deutlich wachsen.
Eine solche Entwicklung stellt gleichzeitig neue Anforderungen an die öffentliche Infrastruktur. Je früher diese Entwicklungen in die langfristige Planung einbezogen werden, desto eher lassen sich spätere Engpässe vermeiden. Die «Groosswis» könnte dadurch künftig noch stärker ins Zentrum der Betrachtung rücken.
Neue Möglichkeiten für Gewerbe
Eine grundsätzliche Neubewertung des Standorts für Feuerwehr und EW könnte zudem Konsequenzen für die Wittenwilerstrasse haben. Falls Feuerwehr und EW langfristig an der «Groosswis» angesiedelt würden, könnte das Land gegenüber der Badi einer gewerblichen Nutzung zugeführt werden.
Für eine solche Nutzung besteht nach Angaben aus dem Umfeld der Studie bereits konkretes Interesse von lokalen Unternehmern. Damit würde eine Standortverschiebung nicht nur eine öffentliche Infrastrukturfrage lösen. Sie könnte gleichzeitig neue Perspektiven für das örtliche Gewerbe schaffen und Flächen für Arbeitsplätze sichern.
Studie ohne Kosten für die Gemeinde
Ein weiterer Aspekt unterscheidet Heiders Studie von vielen späteren Planungen: Sie wurde der Gemeinde und Schulgemeinde unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Demgegenüber wurden in den vergangenen Jahren für verschiedene Standortbestimmungen, Vorprojekte und Wettbewerbe im Bereich Gemeinde und Schule bereits mehrere hunderttausend Franken an öffentlichen Mitteln eingesetzt.
Das allein macht eine frühere Studie selbstverständlich nicht zur richtigen Lösung. Es stellt sich jedoch die Frage, ob vorhandene Grundlagen nicht nochmals sorgfältig geprüft werden sollten, bevor weitere kostenintensive Einzelplanungen verfolgt werden.
Mehr als Schulen, Feuerwehr und EW
Die ursprüngliche Studie war zudem wesentlich umfassender, als es die heutige Diskussion vermuten lässt. Neben den Überlegungen zu öffentlichen Bauten, Feuerwehr, EW und Gewerbe enthielt sie auch ein Verkehrskonzept. Dieses beschäftigte sich unter anderem mit der Möglichkeit einer grossräumigen Umfahrungsstrasse für Aadorf.
Eine solche Verkehrsplanung würde den Rahmen der aktuellen Diskussion allerdings deutlich sprengen. Sie zeigt jedoch, dass bereits 2018 versucht wurde, die Entwicklung Aadorfs nicht isoliert, sondern in einem grösseren Zusammenhang zu betrachten.
Kein fertiges Projekt – aber ein Denkanstoss
Die «Groosswis» ist heute keine kurzfristig realisierbare Lösung. Eine Umzonung wäre erforderlich, Landfragen müssten geklärt werden und die entsprechenden politischen und kantonalen Verfahren wären zu durchlaufen. Trotzdem könnte es sich lohnen, den damaligen Vorschlag erneut fachlich zu prüfen. Denn die Frage lautet nicht nur, wo das nächste Gebäude gebaut werden soll. Es geht vielmehr darum, wie Aadorf seine Entwicklung über die nächsten Jahrzehnte gestalten will.
Feuerwehr, EW, Schulraum, öffentliche Bauten, Gewerbe, Wohnraum und Verkehr sind voneinander abhängig. Eine langfristige Planung könnte diese verschiedenen Bedürfnisse zusammenführen und verhindern, dass für jedes Problem einzeln nach einer Lösung gesucht werden muss.
Marco Heider möchte seine 2018 erarbeitete Studie deshalb erneut als Denkanstoss verstanden wissen. Die Entscheidung, ob daraus weiterführende Abklärungen entstehen, liegt bei den zuständigen Behörden, der Gemeinde und – soweit kantonale Verfahren betroffen sind – beim Kanton.
Vielleicht liegt in einer alten Studie nicht die fertige Antwort auf die heutigen Herausforderungen. Vielleicht aber eine Frage, die Aadorf sich nochmals stellen sollte: Wollen wir weiterhin einzelne Projekte lösen – oder beginnen wir, die Infrastruktur für die nächsten Generationen als Ganzes zu planen?
MARCO HEIDER


