Eine Garage voller Lieblingsstücke
17.09.2026 ElggWas heute nicht mehr gefällt oder nicht mehr getragen wird, muss nicht automatisch im Abfallsack landen. In Elgg gibt die «Chleidergarage» seit drei Jahren gut erhaltenen Kleidungsstücken eine zweite Chance. Was 2022 aus einer Idee der Genossenschaft für Wohnen, Arbeit ...
Was heute nicht mehr gefällt oder nicht mehr getragen wird, muss nicht automatisch im Abfallsack landen. In Elgg gibt die «Chleidergarage» seit drei Jahren gut erhaltenen Kleidungsstücken eine zweite Chance. Was 2022 aus einer Idee der Genossenschaft für Wohnen, Arbeit und Kultur Elgg (WAK) und einer Befragung der Bevölkerung entstand, ist heute ein beliebtes Angebot für erwachsene Menschen.
Ein Kleidungsstück, das im eigenen Schrank nicht mehr getragen wird, kann für jemand anderen genau das Richtige sein. Diese Idee steht hinter der Chleidergarage der WAK. Im August 2022 fragte die WAK mit einem Flyer die Bevölkerung, was in Elgg noch fehlen könnte. Aus den Rückmeldungen entstand die Idee für einen Ort, an dem gut erhaltene Kleider unkompliziert weitergegeben werden können. Im August 2023 wurde die «Chleidergarage» hinter dem Doktorhaus an der Vordergasse 9 eröffnet.
Das Prinzip ist einfach: Wer gut erhaltene Kleidung nicht mehr trägt, bringt sie vorbei. Wer etwas sucht, darf die Garage betreten, stöbern und sich etwas Passendes mitnehmen. Bezahlt wird nichts. So entsteht ein unkomplizierter Austausch, bei dem Kleidungsstücke weitergetragen werden und neue Besitzerinnen und Besitzer finden.
Aus einer Idee wird ein beliebtes Angebot
«In den vergangenen drei Jahren hat sich das Angebot etabliert. Der Raum wurde angepasst und so gestaltet, dass die Kleidungsstücke übersichtlich und ansprechend präsentiert werden können», betont Sonja Bisang, Mitglied der Geschäftsleitung der WAK. Heute findet sich dort ein vielfältiges Angebot: Jeans, Oberteile, Blusen, Kleider und vieles mehr für Frauen und Männer. Unterschiedliche Grössen und Stile sorgen dafür, dass viele Menschen etwas Passendes entdecken können.
Wer die Chleidergarage zum ersten Mal betritt, ist nicht selten überrascht von der Auswahl. Dass die Garage so gepflegt und einladend wirkt, ist auch dem freiwilligen Einsatz von Agatha Bisang zu verdanken. Sie schaut regelmässig, teilweise sogar zweimal täglich, vorbei. Die Kleider, die in der Box beim Eingang abgegeben werden, werden von ihr sorgfältig sortiert und anschliessend passend eingeräumt.
«Wenn viele Leute kommen und sich die Kleider anschauen, ist manchmal nicht alles wieder so eingeräumt, wie es vorher war», erzählt Bisang. Deshalb schaut sie regelmässig nach dem Rechten. Ihr ist wichtig, dass die Kleidergarage ordentlich aussieht und die Besucherinnen und Besucher gerne darin stöbern.
Die Arbeit macht sie freiwillig und mit viel Herzblut. Die Kleidungsstücke werden nicht einfach irgendwo hingehängt, sondern liebevoll kontrolliert und nach Grössen und Art sortiert. So bleibt das Angebot übersichtlich und die Garage lädt immer wieder zum Entdecken ein. Sonja Bisang erläutert, dass die Chleidergarage keine Konkurrenz zu bestehenden Kleiderbörsen sein möchte, sondern vielmehr eine unkomplizierte Möglichkeit zum Austausch und Weitergeben von gut erhaltenen Kleidern bietet.
Nachhaltigkeit beginnt beim Weitergeben
Die Idee der Chleidergarage passt zu einem Thema, das weit über Elgg hinausreicht. Weltweit fallen jedes Jahr rund 92 Millionen Tonnen Textilabfälle an. Gleichzeitig werden immer mehr Kleidungsstücke produziert und teilweise nur kurze Zeit getragen. Auch in Europa entstehen grosse Mengen an Textilabfällen.
In der Schweiz werden jährlich rund 50’000 Tonnen gebrauchte Kleider und Schuhe gesammelt. Laut Bundesamt für Umwelt sind bis zu zwei Drittel der gesammelten Kleidungsstücke noch tragbar. Gerade deshalb ist es sinnvoll, Kleidung möglichst lange im Kreislauf zu halten.
Nachhaltigkeit beginnt dabei nicht erst beim Recycling. Sie kann bereits beim Einkauf beginnen – und bei der Frage, ob ein Kleidungsstück wirklich gebraucht wird. Wer bewusst einkauft, auf gute Qualität achtet, Kleidung repariert, tauscht, gebraucht kauft oder weitergibt, kann dazu beitragen, dass Kleidungsstücke länger genutzt werden.
Die WAK setzt genau an diesem Punkt an. Ein Kleidungsstück muss nicht für immer im eigenen Kleiderschrank bleiben. Vielleicht passt es jemand anderem besser, wird zu einem neuen Lieblingsstück oder bekommt einfach eine weitere Saison geschenkt.
Sorgfältig ausgewählt und saisonal
Damit dieses Angebot aufrechterhalten werden kann, ist der WAK die Qualität der abgegebenen Kleidung wichtig. Die Kleidungsstücke sollen sauber, frisch gewaschen und gut tragbar sein. Auch saisonale Kleidung ist besonders willkommen, da die Garage nur über begrenzte Lagerkapazitäten verfügt.
Beim Eingang ist deshalb genau ersichtlich, welche Kleidungsstücke gebracht werden können. Nicht alles, was im eigenen Kleiderschrank keinen Platz mehr hat, eignet sich automatisch für die Weitergabe. Die WAK möchte vor allem gut erhaltene Kleidung anbieten, die jemand anderes gerne trägt.
Dass dies gut funktioniert, zeigt sich an den vielen schönen Kleidungsstücken, die regelmässig ihren Weg in die Garage finden. Und auch daran, dass Menschen immer wieder vorbeikommen, stöbern und etwas Neues entdecken.
Was passiert mit den Kleidern, die nicht ausgestellt werden können? Die Genossenschaft übernimmt die Entsorgung auf eigene Kosten. Pro Monat werden ein paar Kehrrichtsäcke entsorgt, mit Kleidern die leider kaputt oder verschmutzt gebracht werden. Ziel wäre es, möglichst keinen Abfall zu generieren.
Ein Angebot für alle
Für Sonja Bisang ist das Angebot der WAK mehr als ein Raum mit Kleidern. «Wenn wir einen Raum haben, der leer steht, möchten wir daraus etwas Gutes für Elgg machen», erklärt sie. Die Chleidergarage sei zu einem unkomplizierten Angebot geworden, das Menschen aus unterschiedlichen Generationen nutzen können.
Besonders schön sei es, wenn sie auf der Strasse angesprochen werde und jemand sage: «Das ist von der Chleidergarage», sagt Agatha Bisang Auch Dankeskarten habe sie bereits erhalten. Sie zeigen, dass das Angebot geschätzt wird.
Der Raum ist damit auch ein kleines Begegnungsangebot: Menschen kommen vorbei, schauen sich um, entdecken etwas Passendes und nehmen vielleicht ein Kleidungsstück mit nach Hause. Gleichzeitig geben sie mit ihren eigenen gut erhaltenen Kleidern anderen die Möglichkeit, etwas Neues zu finden.
Ein besonderes Dankeschön geht an ein Mitglied, das den beschädigten Spiegel in der Garage ersetzt und einen eigenen mitgebracht hat. Ebenso bedankt sich die WAK bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern, die zum Bestehen der Chleidergarage beitragen.
Für Sonja Bisang ist klar: Die Tauschstelle soll auch in Zukunft bestehen. «Wir hoffen, dass die Qualität der Kleider so weitergeht und das Angebot weiterhin geschätzt wird.» Dafür brauche es einen sorgsamen Umgang mit den Kleidern und mit dem Angebot.
Die Garage zeigt auf sympathische Weise, wie Nachhaltigkeit im Alltag funktionieren kann. Was für den einen nicht mehr passt, kann für die andere genau richtig sein. So bekommt Kleidung nicht nur eine zweite Chance – sondern manchmal sogar ein ganz neues Leben.
EMANUELA MANZARI


