Einblicke ins faszinierende Reich der Pilze
11.06.2026 ElggAm Sonntag war der Elgger Pilzverein zu Gast im Heimatmuseum. Pilzkontrolleur Andreas Zwicky führte ins Reich der geheimnisvollen Lebewesen ein und gab einen Einblick in die Freuden und Tücken des Pilzesammelns.
Über 40 interessierte Besucherinnen und Besucher konnte Renate ...
Am Sonntag war der Elgger Pilzverein zu Gast im Heimatmuseum. Pilzkontrolleur Andreas Zwicky führte ins Reich der geheimnisvollen Lebewesen ein und gab einen Einblick in die Freuden und Tücken des Pilzesammelns.
Über 40 interessierte Besucherinnen und Besucher konnte Renate Katterbach, Präsidentin des Heimatmuseums, am vergangenen Sonntagnachmittag zum Referat über Pilze begrüssen. «Es geht heute nicht um den Champignon auf der Pizza und den Fliegenpilz im Märchen, sondern um das grösste Lebenswesen der Erde, um Kommunikation und Worte und um Recycling im Megaformat. Willkommen in der Welt des Myzels», sagte sie. Pilzkontrolleur Andreas Zwicky führte in seinem anschaulichen, mit vielen Bildern angereicherten Vortrag «Wunderwelt der Pilze rund um den Schauenberg» durch die wundersame Welt der Pilze. Hierzulande gebe es zurzeit etwa 10’000 kartierte Pilzarten, man gehe aber von rund 20’000 aus, die noch nicht beschrieben sind, erklärte er. Die verschiedenen Arten verteilten sich je nach Geologie auf unterschiedliche Orte. Davon könne man etwa 190 Arten essen. Rund 90 seien offiziell freigegeben. «Eine kleine Anzahl in der riesigen Welt der Pilze kann man essen.» Etwa 350 Arten seien sehr giftig, rund 700 giftig, alle anderen keine Speisepilze.
Zuerst vermittelte er einige Grundkenntnisse. «Pilze sind Lebewesen und bilden ein eigenes Reich der Fungi neben Fauna und Flora», so der Pilzkenner. Er erläuterte, wie sie aufgebaut sind und wie sie sich ernähren. Die Zellwände sind aus Chitin. Pilze betreiben keine Photosynthese. «Sie ernähren sich von organischen Stoffen, wie wir.»
Wichtige ökologische Funktionen
Die Pilze werden nach Lebensweise unterschieden und haben wichtige ökologische Funktionen. Da sind zum einen die Symbionten (Mykorrhizapilze), die etwa 30 Prozent der Grosspilze ausmachen. Sie bilden eine Gemeinschaft über die Wurzeln von Bäumen oder Pflanzen. Ein Beispiel dafür ist der Fliegenpilz. Etwa 60 Prozent sind Saprobionten (Folgezersetzer) Sie zersetzen totes, organisches Material und sorgen dafür, dass Nähr- und Mineralstoffe in den Stoffkreislauf zurückehren. «Wenn es keine Pilze gäbe, könnte man irgendwann nicht mehr durch den Wald gehen, weil nichts mehr abgebaut würde», sagte Zwicky.
Zu den Schwächeparasiten zählen etwa 10 Prozent. Sie bringen geschwächte Organismen zum Absterben. Ein Beispiel ist der Hallimasch, «das grösste Lebewesen der Erde», sagte er mit Verweis auf die Einleitung von Renate Katterbach. Ein Riesen-Hallimasch wurde in den USA entdeckt.
Zum Lebenszyklus eines Grosspilzes: «Was wir als Pilz wahrnehmen ist nur der Fruchtkörper des eigentlichen Pilzes, wie der Apfel beim Apfelbaum». Den eigentlichen Körper bildet das Mycel, ein unterirdisches Geflecht aus fadenförmigen Zellen. Die Fruchtkörper dient der Fortpflanzung. Bei Pilzen spricht man nicht von Geschlechtern (männlich/weiblich), sondern von Paarungstypen, von denen es viele verschiedene gibt.
Von der Systematik her werden die Pilze in Basidiomyceten (Ständerpilze) und Ascomyceten (Schlauchpilze) unterteilt. Bei beiden Prinzipien unterscheidet man nach Formen der Fruchtschicht, so unter anderen Röhren oder Lamellen bei den Ständerpilzen und zum Beispiel Morchelartige oder Trüffelartige bei den Schlauchpilzen. Anhand von Beispielen zeigte der Fachmann, wie das im Detail aussehen kann. «Wenn man einen Pilz bestimmen will, muss man zuerst die Fruchtschicht anschauen.»
Reise durch die Jahreszeiten
Nach der theoretischen Einleitung nahm der Referent die Zuhörenden mit auf eine Reise durchs Jahr hindurch: «Pilze wachsen nicht nur im Herbst, sondern das ganze Jahr.» Mit vielen Bilder und Geschichten zeigte er anschaulich auf, was es beim Pilzesammeln alles zu beachten gilt, welche wunderschönen Exemplare man antreffen, wo es gefährlich werden kann und welche hiesigen Speisepilze besonders gut schmecken.
Beispiele für Winterpilze sind der Goldgelbe Zitterling, der nebst anderen das bekannte Haareis verursacht oder das Judasohr, ein Speisepilz, der nach seinem Aussehen benannt ist sowie der Legende von Judas, der sich an einem Holunderbaum erhängt haben soll, wo diese Pilze häufig wachsen. Als weiteren Winter- und Speisepilz präsentierte Zwicky den Vitamin-C-haltigen Samtfussrübling. Zur medizinischen Verwendung der Pilze verwies er an dieser Stelle auf die traditionelle chinesische Medizin, die Entdeckung des Penizillins und die moderne Forschung.
«Ein exzellenter Speisepilz», der im Frühling anzutreffen ist, ist gemäss dem Pilzkontrolleur der kleine Fichtenzapfenrübling, nicht zu verwechseln mit dem Fichtenzapfenhelmling, der nach Chlor riecht. Einst ein Marktpilz, sei der Märzschneckling heute selten geworden. Schön anzuschauen, aber nicht essbar ist der Zinnoberrote Prachtsbecherling. Nach weiteren Beispielen für essbare Pilze, darunter einige Morchelarten, ging die Reise weiter in den Sommer.
Der Sommersteinpilz sei eine der vier Steinpilzarten, die in der Schweiz vorkommen, eine weitere ist der Fichtensteinpilz. Weitere gute Speisepilze sind der Flockenstielige Hexenröhrling oder der Sommerröhrling, der aber wegen Seltenheit zu schonen sei. Giftig hingegen ist der Schönfussröhrling. Auch der bekannte Fliegenpilz wächst im Sommer.
Heimtückisches Gift
Im Herbst gibt es viele Pilze. Besonders heimtückisch ist der grüne Knollenblätterpilz, der zwar einen milden Geschmack hat, aber ein Gift, das die Leber zerstören kann, wenn man nicht rechtzeitig behandelt. Da es meist zu spät ist, wenn die Symptome abgeklungen sind, sei es bei Verdacht auf Pilzvergiftung wichtig, zu kontrollieren, welcher Pilz gegessen wurde. Ebenfalls stark giftig ist der Pantherpilz.
Als gute Hebst-Speisepilze nannte Zwicky unter anderen den Perlpilz, den Trompetenpfifferling, die Herbsttrompete. Unter den Schleierlingen gibt es gemäss dem Pilzkontrolleur gefährliche, mit einem Nierengift und einer langen Karenzeit, was es schwierig mache, rechtzeitig zu reagieren.
Pilzverein Elgg
Im Freien vor der Humbergtrotte stellte sich der Pilzverein Elgg und Umgebung mit Büchern und einzelnen Pilzexemplaren vor. Präsident Jürg Altwegg und Andreas Zwicky beantworteten weitere Fragen.
Andreas und Gertrud Zwicky, Hofstetten, sind Pilzkontrolleure für die Gemeinden Elgg, Elsau-Räterschen, Hagenbuch, Aadorf und Bichelsee-Balterswil.
Am 5. Juli ist der Bienenzüchterverein Elgg und Umgebung zu Gast im Heimatmuseum.
BETTINA STICHER



