Ein Senior sucht die Herausforderung
14.03.2026 SportIn der Saison 2025 dominierte Marcel Götz die Meisterschaft der Motocross-Senioren. Er gewann sämtliche bestrittenen Läufe und wurde somit klar Meister beim SAM – sowohl bei den Senioren Overall als auch in der Alterskategorie Ü50.
An den ersten rennmässigen ...
In der Saison 2025 dominierte Marcel Götz die Meisterschaft der Motocross-Senioren. Er gewann sämtliche bestrittenen Läufe und wurde somit klar Meister beim SAM – sowohl bei den Senioren Overall als auch in der Alterskategorie Ü50.
An den ersten rennmässigen Einsatz von Marcel Götz kann sich sogar der Schreibende erinnern. Es war das Clubrennen des MC Wila 1992 im Heitertal bei Kollbrunn. Der eine übernahm das Einschreiben, der andere fräste Spuren in den Ackerboden. Damals vermutete wohl kaum jemand, dass dies der Beginn einer erfolgreichen Karriere des Jünglings aus der Gemeinde Hagenbuch sein könnte.
1996 bezog Marcel Götz eine Motocross-Lizenz beim Schweizerischen Auto- und Motorradfahrer-Verband SAM, wo er bei den Nationalen 125 ccm auf Anhieb gute Resultate erzielte und in der Meisterschaft Fünfter wurde. Doch das junge Talent befand sich in einer Zwickmühle. Denn ihm gefiel das Fahren auf der Strasse ebenso gut wie im Gelände. Da kam ihm die Sparte Supermotard, wie sie damals noch hiess, wie gerufen: «1997 gab es zum ersten Mal in der Schweiz eine Supermotomeisterschaft, da wechselte ich vom Cross ins Supermoto. Mich hat die Geschwindigkeit im Supermoto fasziniert und das Driften auf Asphalt.» Den Einstieg gestaltete der gelernte Motorradmechaniker als Meister der FMS-Openklasse gleich erfolgreich. Das bedeutete den Aufstieg in die höchste Kategorie bei der Föderation der Motorradfahrer der Schweiz (FMS, nun SwissMoto).
Mehrfacher Schweizermeister
In den Jahren 1998 und 1999 stieg Marcel Götz jeweils als Dritter der Prestige aufs Podest. Die beiden nächsten Saisons brachten noch eine Steigerung. Sowohl 2000 und 2001 liess er die gesamte Schweizer Elite hinter sich und holte sich den Meistertitel. Ein Jahr danach verpasste er infolge einer Verletzung einige Rennen und somit auch das Meisterschaftspodest. Doch 2003 meldete er sich eindrücklich zurück und wurde zum dritten Mal Schweizermeister. Zudem verpasste er den Titel des Europameisters der Klasse 650 ccm um lediglich sieben Punkte. Für diese Leistungen wurde er im März 2004 als Sportler der Gemeinde Aadorf ausgezeichnet, wo er seit 2002 wohnt.
Insgesamt konnte Marcel Götz fünfmal die Schweizermeisterschaft im Supermoto für sich entscheiden. Je einmal wurde er Vizemeister in der Schweiz und in Europa, er fuhr drei WM-Podestplätze ein und einen 5. Gesamtrang an der Weltmeisterschaft 2006. Der Töffmech, der mit seiner Partnerin zwei Töchter hat, beendete 2013 offiziell seine Supermoto-Karriere. Er gab damals an, ihm fehlten der Biss und das Feuer. Auch hätte er einfach keine Lust mehr, jedes Wochenende nach Italien zu fahren, um zu trainieren.
Rückkehr auf die Pisten – im Motocross
Nach rund zehn Jahren kehrte die Motivation offenbar wieder zurück, wenn auch in einem etwas bescheidenerem Rahmen. Seit 2023 trifft man Marcel Götz im Fahrerlager bei SAM-Veranstaltungen an. Als schnellen Teilnehmer an den Rennen der Seniorenklasse. 2024 liess er sich zum Meister krönen, den Titel verteidigte er in der letzten Saison. «Der Sport bereitet mir immer noch sehr viel Freude und Motocross gehört zu meinem Leben. Topmotiviert gehe ich an jedes Rennen», sagt der bald 52-Jährige. Es gäbe auch eine Seniorenkategorie im Supermoto. Warum hat er sich für MX entschieden? Götz erklärt: «Ich bin mehrfacher Schweizermeister im Supermoto und habe somit meine Ziele erreicht. MX ist weniger zeitaufwändig und die Rennen sind eintägig.»
Wenn er 2025 am Start war, sah er auch die Zielflagge als Erster. Zwei Rennen liess er aus, trotzdem war sein Vorsprung Ende Saison gross. Beim Finale in Escholzmatt mass er sich mit den Piloten der Mastersklasse, der schnellsten SAM-Kategorie. Dies will er 2026 vermehrt tun. Was beweist, dass es ihm nicht um Pokale geht – von denen er ja schon sehr viele hat. Vielmehr sucht er auch im Seniorenalter noch die Herausforderung, wohlwissend dass bei den Masters Spitzenränge schwieriger werden dürften. Allzu viel wollte er bei seinen Saisonvorbereitungen nicht ändern. «Ich trainiere ab und zu in Italien und das werde ich so beibehalten. Konditionell muss ich mich besser vorbereiten, da die Rennen länger dauern», sagt der Thurgauer.
Marcel Götz ist auch beruflich mit dem Motorradsport verbunden. In Guntershausen betreibt er die Firma MG54 Race Support. Die will den Kunden die bestmögliche Unterstützung anbieten. Egal ob Fahrwerkservice, Motortuning oder einfach nur Tipps und Tricks. Sein Haupterwerb ist aber eine 70-Prozent-Anstellung bei Suter Industries in Turbenthal.
Schon an diesem Wochenende beginnt die SAM-Motocross-Saison. Dazu muss Marcel Götz nicht allzu weit reisen, das erste Rennen findet in Bäretswil im Zürcher Oberland statt.
ALBERT BÜCHI
Der Artikel erschien zuerst im Verbandsorgan des SAM.



