Ein offenes Ohr für die Aadorfer Bevölkerung
30.07.2026 AadorfEinmal im Monat lädt Aadorfs Gemeindepräsident Matthias Küng zum «Talk mit Küng» ins Gemeindehaus ein. Einwohnerinnen und Einwohner haben hier die Möglichkeit, ihre Anliegen und Ideen persönlich vorzubringen, Fragen zu stellen und Unterstützung zu ...
Einmal im Monat lädt Aadorfs Gemeindepräsident Matthias Küng zum «Talk mit Küng» ins Gemeindehaus ein. Einwohnerinnen und Einwohner haben hier die Möglichkeit, ihre Anliegen und Ideen persönlich vorzubringen, Fragen zu stellen und Unterstützung zu erhalten.
Matthias Küng öffnet die Tür zu seinem Büro im zweiten Stock des Gemeindehauses. Er nimmt gegenüber der Besucherin, des Besuchers Platz, mit Notizblock ausgerüstet, und bietet ein Getränk an. Dann hört er aufmerksam zu. Einmal im Monat, jeweils am letzten Donnerstag zwischen 16 und 18 Uhr, ist «Talk mit Küng». Das Angebot in Aadorf richtet sich an alle, die das persönliche Gespräch mit dem Gemeindepräsidenten suchen. Seit Beginn seiner Amtszeit, also seit elf Jahren, bietet Küng das an.
Meistens kämen die Leute mit Partikularinteressen, also mit Anliegen, die sie persönlich betreffen, erklärt er. Dabei gehe es oft um Bau- oder Flurangelegenheiten, aber auch um Fragen des Zusammenlebens oder Konflikte in der Nachbarschaft. «Sie schildern ihre Situation und suchen Rat», fasst er zusammen.
Nicht immer könne die Gemeinde eine direkte Lösung anbieten. Oft hätten die Anliegen eine längere Vorgeschichte, seien emotional belastet und die Betroffenen wüssten nicht mehr weiter. «Manchen geht es aber auch einfach darum, ihre Geschichte zu erzählen und ein offenes Ohr zu finden, Dampf abzulassen und sich ernst genommen zu fühlen», sagt der Gemeindepräsident. Andere wiederum nutzten die Gelegenheit, aus ihrem Leben zu erzählen. Ähnlich erlebe er dies bei den Besuchen von Jubilarinnen und Jubilaren. «Menschen, die viel erlebt haben und Spannendes zu berichten wissen.» Dafür nehme er sich gerne Zeit. Danach gehe es den Leuten meistens besser, freut er sich.
Die Mehrheit der Gäste des «Talk» sei zwar älter, doch auch jüngere Menschen fänden den Weg ins Gemeindehaus.
Persönliches Gespräch statt Mails
Immer wieder hängen die Besuche auch mit aktuellen politischen Themen zusammen. Dann suchen die Menschen das Gespräch, weil sie mit einem Entscheid der Gemeinde nicht einverstanden sind oder sich nicht ausreichend verstanden fühlen, wie Küng erklärt. Als Beispiel nennt er die Erhöhung des Wasserpreises.
Einige nutzten dafür öffentliche Informationsveranstaltungen, andere suchten ihn direkt im Büro auf, manche auch beides. Hinzu komme häufig ein intensiver E-Mail-Verkehr. Weil dabei Missverständnisse entstehen könnten, lade er die Betroffenen dann jeweils zu einem persönlichen Gespräch ein.
Vertrauen schaffen, Unterstützung vermitteln
«Es ist wichtig, ein offenes Ohr für die Bevölkerung zu haben», betont der Gemeindepräsident. So entstehe Vertrauen, Berührungsängste würden abgebaut und die Menschen wagten eher, mit ihren Anliegen auf die Gemeinde zuzugehen. Volksnähe bedeute für ihn, ansprechbar zu sein, wo möglich zu helfen und den persönlichen Kontakt zu pflegen. Wichtig sei vor allem, dass sich die Menschen ernst genommen fühlten.
Nach dem Gespräch verweist Matthias Küng seinen Besuch bei Bedarf an die zuständigen Fachstellen, etwa an die Bau- oder Steuerabteilung. Dort könne bei konkreten Fragen oft gezielt geholfen werden. «Wir beraten und unterstützen, aber wir füllen keine Gesuche oder Steuererklärungen selbst aus», sagt er. «Die Lösung müssen die Leute selbst finden.»
Bei älteren Menschen mit persönlichen Anliegen vermittle die Gemeinde auch den Kontakt zur Pro Senectute. Diese könne unter anderem Haushaltshilfen oder Fahrdienste organisieren.
Vom Friedhof bis zur Sitzbank
Im Durchschnitt nehmen zwei bis fünf Personen am «Talk mit Küng» teil. An einzelnen Nachmittagen seien es schon bis zu neun gewesen, manchmal komme auch niemand vorbei. «Das ist sehr unterschiedlich», sagt Küng. Eine bestimmte Jahreszeit, in der das Angebot stärker genutzt wird, könne er nicht erkennen.
Anders sei dies bei Themen, welche die Bevölkerung besonders beschäftigen. Neben der Erhöhung des Wasserpreises nennt er die Aufhebung der Gestaltungspläne. Solche Geschäfte führten regelmässig zu mehr Gesprächsbedarf.
Ein Thema, das insbesondere für ältere Menschen wichtig ist, sei der Friedhof. «Der Friedhofgärtner macht seine Arbeit sehr gut», betont der Gemeindepräsident. Dennoch komme es gelegentlich vor, dass jemand mit der Grabpflege nicht zufrieden ist. Auch in solchen Fällen versuche die Gemeinde zu vermitteln, auch wenn nicht alle Wünsche erfüllt werden könnten.
Beim «Talk» gehe es jedoch nicht nur um Kritik. Immer wieder würden ihm und den Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltung auch Lob ausgesprochen oder Ideen unterbreitet, wie Aadorf noch attraktiver werden könnte. Matthias Küng: «Neue Bänkli werden häufig vorgeschlagen.»
Der nächste «Talk mit Küng» findet am Donnerstag, 27. August, von 16 bis 18 Uhr im Gemeindehaus Aadorf statt.
BETTINA STICHER

