Ein neuer Fall für die «Watsons» von Münzwil
05.02.2026 ElggEs raucht wieder in den Köpfen von Schlehmil Schleimer und seinen Ermittlerfreunden in Münzwil. Der gewalttätige Kevin wird tot am Fuss einer Felswand aufgefunden. Der dritte Band der absurdkomischen Krimiserie des Elgger Autors Oliver Fuhrer gibt neue Rätsel auf.
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Es raucht wieder in den Köpfen von Schlehmil Schleimer und seinen Ermittlerfreunden in Münzwil. Der gewalttätige Kevin wird tot am Fuss einer Felswand aufgefunden. Der dritte Band der absurdkomischen Krimiserie des Elgger Autors Oliver Fuhrer gibt neue Rätsel auf.
Es sind die altbekannten Figuren aus den ersten beiden Bänden der Krimiserie rund um Schlehmil Schleimer und den unscheinbaren Ich-Erzähler. Mit Eifer machen sie sich daran, das Rätsel eines neuen Todesfalls zu lösen. Oder war es Selbstmord? Oder doch nur ein tragischer Unfall?
Der berüchtigte und polizeibekannte Problemjugendliche Kevin taucht unerwartet bei einer Dubai-Schokolade-Degustation auf dem Bauernhof Tobler nördlich von Münzwil auf, benimmt sich daneben und stiehlt Schokolade. Wenig später wird er tot am Fuss der Felswand des Kalchener Abrisses gefunden – einem bekannten Instagram-Hotspot.
Sofort nehmen die Dorfbewohner, die fast alle auch am Fest anwesend waren, die Ermittlungen auf. Neben Schlehmil Schleimer, der sich dieses Mal vornehm zurückhält, sind dies der Polizeikommandant, der Dorfpolizist, der Pfarrer und dessen Verlobte, die Schwester des Erzählers sowie weitere Personen – allesamt mit speziellen Charakteren und in unterschiedlichen Konstellationen miteinander verbunden. Nicht zu vergessen sind die heimliche Liebe des Erzählers, die Kinder des Bauern sowie zwei Katzen.
Unbedarft, detailbesessen und ich-bezogen stolpert der namenlose Erzähler manchmal bewusst holpriger Alltagssprache durch die Handlung. Dass dabei wieder urkomische Situationen entstehen und absurde Ideen auftauchen, ist Programm.
Viele Rückmeldungen und grosses Echo
«Das Geheimnis der Dubai-Schokolade» ist der dritte Band der Krimireihe des Elgger Autors Oliver Fuhrer. Er erschien, wie schon die beiden Vorgänger, im Dezember. Die Heftromane umfassen jeweils rund 60 bis 70 Seiten und werden seit 2023 im Selbstverlag digital in einer Auflage von etwa 250 Exemplaren gedruckt. Inzwischen erfreuen sie sich eines stetig wachsenden Kreises von Leserinnen und Lesern.
Dennoch seien die Krimis nach wie vor ein privates Projekt und in erster Linie «ein Weihnachtsgeschenk für Familie, Freunde und Bekannte», sagt Fuhrer. Einige Exemplare verkaufe er jeweils, ein Nachdruck sei jederzeit möglich. «Ich bekomme unglaublich viele Rückmeldungen», freut er sich. Die Berichte in der «Elgger/Aadorfer Zeitung», aber auch im Regionaljournal von Radio SRF, hätten jeweils ein grosses Echo ausgelöst.
Der Liebhaber älterer englischer Kriminalromane schreibt seine Krimis nicht nur selbst, sondern illustriert sie auch. Die Zeichnungen stammen fast alle von ihm – auch sie sind eigenwillig und witzig gestaltet – mit ganz wenigen Ausnahmen, etwa die beiden Katzen «Baron Heusi» und «Hummi» im neuesten Band.
Humor im Vordergrund
Die Charaktere der Protagonisten seien zwar gleichgeblieben, ebenso die grosse Zahl an Verdächtigen. Allerdings hätten sich die Figuren weiterentwickelt, verrät Oliver Fuhrer. «Und ich habe bewusst die Gewichtung geändert.» Im Gegensatz zu den ersten beiden Bänden stehe im dritten der Humor stärker im Vordergrund und weniger der Krimi oder die eingebaute Liebesgeschichte – auch wenn weiterhin ernsthafte Themen angesprochen würden. «Es soll gelacht werden in dieser düsteren Zeit», so der Autor.
Münzwil ist eine fiktive Gemeinde, soll jedoch an Elgg erinnern. So kommt etwa das Schloss vor, in dem sich Fuhrer einen missmutigen Butler vorstellt. Weitere Orte sind frei erfunden, wie der Kalchner Abriss, der «in der Gegend von Schneit sein könnte». Auch die Figuren sind grösstenteils frei erfunden, mit Ausnahme von zweien: Für den Gemeindepräsidenten diente ein langjähriger Freund aus Elgg als Vorlage. Rosa – die heimliche Liebe des Ich-Erzählers – ist einer Frau nachempfunden, die Fuhrer jeweils im Zug sah und mit der er inzwischen ebenfalls befreundet ist.
Inspiration aus verschiedenen Quellen
Seine Inspiration holt sich Oliver Fuhrer unter anderem aus dem englischen Humor, aus Kinderbüchern sowie aus seiner eigenen Kindheit und Jugend – etwa aus «Ich und meine Schwester Klara» von Dimiter Inkiow, den Schlümpfen oder der Sesamstrasse. «Wenn der dumme Watson erzählt, bringt das mehr Humor in die Geschichte», ist der Schöpfer von Schlehmil & Co. überzeugt. «Der Leser wird immer eingebunden, es wird fair gespielt», sagt er über seine Krimis. Dennoch sei alles möglich – ein Rätselspiel. Die Spannung bleibe bis zum Schluss erhalten.
Und wann erscheint Band vier? Festlegen lassen will sich der Elgger Autor noch nicht. Wahrscheinlich sei jedoch, dass er weitermache. «Ursprünglich habe ich nur drei Bände geplant. Aber ich bekomme so viele Zuschriften, dass zumindest die Liebesgeschichte ein Happy End haben soll. Ausserdem macht mir das Schreiben der Krimis Spass», sagt er. Wenn er durch Elgg oder Winterthur spaziere, stelle er sich immer wieder Mordszenen vor, die er in neue Geschichten einbauen könnte.
Oliver Fuhrer ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder. Er lebt seit 2004 in Elgg. Beruflich ist er als Englischdozent an einer Fachhochschule in Zürich sowie als Englisch-, Deutsch- und DaZ-Lehrer in Winterthur und Elgg tätig. Mehr zu den Krimis findet man auf der Website www. schlehmil-schleimer.ch.
BETTINA STICHER


