Ein Abend voller Poesie und befreiendem Lachen
29.10.2026 AadorfMit «Endlich Schaumbad» verzauberte Lisa Bögli das Publikum im Aadorfer Kleinkunstsaal. Zwischen schwebenden Schaumgebilden und zerplatzenden Seifenblasen wurde die Vergänglichkeit zur vielleicht schönsten Nebensache der Welt.
Mit ihrem ersten abendfüllenden ...
Mit «Endlich Schaumbad» verzauberte Lisa Bögli das Publikum im Aadorfer Kleinkunstsaal. Zwischen schwebenden Schaumgebilden und zerplatzenden Seifenblasen wurde die Vergänglichkeit zur vielleicht schönsten Nebensache der Welt.
Mit ihrem ersten abendfüllenden Programm tourt die Künstlerin Lisa Bögli seit gut einem Jahr durch die Schweiz. Am Freitagabend nimmt sie das zahlreich erschienene Publikum in Aadorf mit auf eine Reise, die federleicht beginnt und überraschend tiefgründig endet. Pascal Mettler vom organisierenden Kulturveranstalter GONG begrüsste die Gästeschar mit spürbarer Vorfreude. Lisa Bögli ist ausgebildete Bewegungsschauspielerin und seit 2014 als freie Künstlerin in der ganzen Schweiz tätig. In ihrem ausdrucksstarken Stück verbindet sie gekonnt Clownerie, Tanz, Schaumfiguren und Seifenblasenkunst zu einer poetischen Sprache. Die richtige «Lektüre» für einen dunklen, verregneten Herbstabend, an dem die Welt für einige Momente aus den Fugen geraten darf. In der Vergänglichkeit des Moments und des Lebens wird das pure Glück greifbar
Poetische Alltagsmomente
An diesem Abend öffneten sich die Türen des Kleinkunstsaals erst kurz vor Vorstellungsbeginn. Dafür erwartete das Publikum eine umso schönere Überraschung, nämlich ein liebevoll gestalteter, nostalgischer Wohnraum, der zur Bühne für poetische Alltagsmomente wird. Mittendrin eine Clownin, die mit der Vergänglichkeit im Schaumbad sitzt. Sie sehnt sich nach Ruhe, nach einem Augenblick nur für sich. Doch kaum taucht sie ab, holt sie der Alltag wieder ein mit all seinen kleinen Widrigkeiten, die sich selbst im Schaum nicht einfach auflösen lassen. «Das Wichtigste vergesse ich», stellt sie fest, um gleich darauf nicht mehr zu wissen, was sie eigentlich vergessen hat. Das begeisterte Publikum lacht und applaudiert, erkennt sich vielleicht sogar selbst wieder. Wer kennt sie nicht, diese flüchtigen Gedanken, die eben noch zum Greifen nah waren und sich im nächsten Moment in Luft auflösen? Aus der Alltagskomödie wird ein feinsinniges Spiel mit Erinnerung, Zeit und Vergänglichkeit.
Kleine Wunder aus Seifenschaum
Plötzlich beginnt der Schaum zu leben. Mit verblüffender Geschicklichkeit formt Lisa Bögli daraus kleine Wesen und wundersame Gestalten, die tanzen, schweben und ein Eigenleben entwickeln. Ein alter Regenschirm verwandelt sich in die Bühne einer bizarren Reise, eine Bank in den Schauplatz einer berührenden Liebesgeschichte.
Neben den verspielten und skurrilen Momenten finden auch leise Melancholie und Tiefgang ihren Platz. Besonders die Geschichte eines alten Mannes und seiner Katze, den kurz vor seiner geplanten Parisreise die Endlichkeit des Lebens einholt, berührt das Publikum nachhaltig. Für einen Augenblick scheint selbst der Applaus innezuhalten, so tief wirkt dieser bewegende Moment nach. Bögli braucht kaum Worte, denn die Bilder brauchen keine Erklärung. Sie entfalten ihre Wirkung dort, wo Worte manchmal zu schwer werden, in der Fantasie und im Staunen. Denn so zauberhaft die Schaumgebilde im Licht schimmern, so wenig lassen sie sich festhalten. Ein Hauch genügt und schon ist das Wunder verschwunden. Die Seifenblase wird zum Sinnbild des Lebens. Schön, zerbrechlich und vergänglich lässt sie sich bewundern, aber nicht festhalten. Die Magie besteht darin, dass sie nicht bleiben muss.
Zwischen Lachtränen und Wehmut
Lisa Bögli bewegt sich mit feinem Gespür zwischen Komik und Poesie. Hinter dem herzhaften Lachen schimmert immer wieder leise Melancholie hervor. Und wenn die Bilder nachdenklich stimmen, genügt eine überraschende Wendung, um die Schwere wieder davonfliegen zu lassen. Aus kleinen Gesten wachsen grosse Geschichten, aus flüchtigen Momenten entstehen ganze Welten. Mit Clownerie und sagenhafter Seifenblasenkunst erschafft Lisa Bögli ein kleines Universum, in dem nichts lange bestehen muss, um kostbar zu sein. «Endlich Schaumbad» ist ein eindrückliches Plädoyer für das Flüchtige und Unvollkommene, für jene Augenblicke, die sich jeder Planung entziehen. Nicht alles muss festgehalten und nicht jeder Augenblick verlängert werden. Manches darf einfach entstehen, schimmern und wieder vergehen. So wie eine Seifenblase im Scheinwerferlicht. Wunderschön, solange sie da ist und unvergesslich, gerade weil sie nicht bleibt. Ein weiterer hochstehender Kulturabend des GONG, der nicht nur beste Unterhaltung bot, sondern gleichzeitig Herz und Seele berührte. «Ein so inspirierendes Bühnenbild habe ich selten gesehen», schwärmt eine sichtlich bewegte Besucherin stellvertretend für viele. Mit Seifenschaum und Seifenblasen, in deren schillernder Fragilität und Vergänglichkeit sich die Endlichkeit des Augenblicks spiegelt, erschafft die talentierte Künstlerin in ihrem Theaterstück eine zauberhafte Momentpoesie. Sie lädt ein zum Träumen und Schmunzeln, zum Innehalten und Staunen und lässt uns die Schönheit des Flüchtigen neu entdecken.
CHRISTINA AVANZINI



