Drei spannende Referate zur Hitzereduktion
22.09.2026 AadorfRund 20 Interessierte lauschten am 10. September den drei Sprechern, wie mögliche Lösungsansätze zur Reduktion der Hitzebelastung in der Gemeinde Aadorf aussehen könnten.
Gemeinderat Michel Gehrig eröffnete die Veranstaltung mit den Worten: «Das Ziel dieses ...
Rund 20 Interessierte lauschten am 10. September den drei Sprechern, wie mögliche Lösungsansätze zur Reduktion der Hitzebelastung in der Gemeinde Aadorf aussehen könnten.
Gemeinderat Michel Gehrig eröffnete die Veranstaltung mit den Worten: «Das Ziel dieses Abends ist, dem Publikum verschiedene Lösungsansätze bezüglich Hitzereduktion zu präsentieren und zu aufzuzeigen, dass jeder auf einfache Art und Weise einen Beitrag dazu leisten kann.»
Vor dem ersten Vortrag überraschte der Samichlaus die Anwesenden und vermeldete, dass er zusammen mit der Frau Holle und dem Osterhasen eine Taskforce zur Hitzereduktion gegründet habe. Schliesslich sei er selbst durch seinen dicken Mantel auch betroffen und dem Osterhasen verlaufe im Frühling jeweils die Schokolade.
Energiestadt Aadorf
Seit 2003 trägt die Gemeinde Aadorf das Label «Energiestadt». Durch das Energiestadt-Label kann die Gemeinde auf eine Plattform von vielen umgesetzten Projekten zur kommunalen Energiepolitik zurückgreifen und diese auf die eigenen Bedürfnisse anpassen und umsetzen. Solch ein Projekt ist insbesondere der «Gartenpreis». Dieser konnte bereits zwei Mal verliehen werden und zeichnet Gärten aus, welche einen nachhaltigen Umgang mit der Natur und Wasser fördern. In Bezug auf die Hitzereduktion können Gärten eine wichtige Rolle spielen, meint Stefan Brunner. «Wir sehen ganz klar, dass vorhandene Grünstrukturen eine kühlende Wirkung zeigen und sich die vielerorts hohe Belastung durch die Hitze reduzieren lässt.» Ein weiteres Projekt im Rahmen der «Energiestadt» ist die Anpassung des Verkehrskonzepts, welches dieses Jahr im Herbst initiiert wird. So wolle man zusammen mit der Bevölkerung die Zentrumsentwicklung an der Morgentalstrasse vorantreiben. Bereits umgesetzt wurde die Anpassung des Baureglements. So soll zum Beispiel die Bodenversiegelung begrenzt werden und Flachdächer sollen begrünt werden.
Schwammstadt Winterthur
Das Konzept der Schwammstadt soll eine Antwort auf den Klimawandel sein. Rahel Pfister, Projektleiterin bei der Stadt Winterthur, erklärt das Prinzip: Durch bauliche Massnahmen soll möglichst viel Regenwasser versickern oder verdunsten. So erreicht man einerseits einen Kühleffekt und andererseits kann die Erde bei Starkregen mehr Wasser aufnehmen. Dadurch wird die Kanalisation viel weniger belastet. Parallel dazu bieten die Elemente der Schwammstadt Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sowie eine Steigerung der Lebensqualität.
Ein Leuchtturmprojekt ist zum Beispiel der Ohrbühlkreisel in Winterthur Grüze. Dieser gilt als meistbefahrener Kreisel der Schweiz. Durch die starke Verschmutzung des Wassers durch den Verkehr musste dies bis anhin über die Kläranlage gereinigt werden. Mit dem Einbau verschiedener Substrate kann nun das stark verschmutzte Wasser vor Ort gereinigt werden und als Trinkwasser in die Grundwasserfassung zurückgeleitet werden. Dies entlastet die Kläranlage enorm.
Als weiteres Beispiel präsentiert Rahel Pfister die Neugestaltung des Altstadtschulhauses. So habe man unter dem Sportplatz im ehemaligen Kohlenkeller einen 35’000 Liter Tank zur Regenwasserfassung des Daches installiert. Das Wasser wird nun gebraucht, um den nahegelegenen Stadtpark zu bewässern. Früher wäre das Wasser über die Kanalisation in die Töss geflossen und hätte nicht verwertet werden können. «Leider ist das Trinkwasser in der Schweiz noch zu günstig, sodass sich eine Regenwasserfassung im grossen Stil momentan nicht lohnt», meint die Projektleiterin. Da viele Gemeinden in diesem Sommer aber bereits Wasserprobleme hatten, könnte solch eine Regenwasserfassung zukünftig einen immensen Mehrwert darstellen.
Biodynamischer Weinbau
Roland Lenz von Weingut Lenz aus Uesslingen präsentiere sein Konzept der biodynamischen Landwirtschaft. Sein Motto ist dabei: «Weniger ist mehr.». Durch weniger Reben auf der gleichen Fläche, hat es zwischen den Reben Platz für andere Pflanzenarten wie Weizen. Roland Lenz ist wichtig, einen gesunden Boden zu erreichen. Dies sei in den Anfangsjahren sehr intensiv gewesen, doch mittlerweile könne man die Arbeitsstunden und die Investitionen in Pestizide drastisch reduzieren. Essenziell für den Bodenaufbau sei auch eine hohe Bodenfeuchtigkeit, welche man durch das Walzen von Zwischenflächen erreicht. Zur Bekämpfung von Schädlingen und Unkraut setzt er Fledermäuse und Schafe ein, die diese fressen. Durch diese Anpassungen sei sein Betrieb krisenresistent, erklärt Roland Lenz erfreut. Seine grösste Sorge seien die stärkeren Stürme in den vergangenen Jahren. Dank der installierten Hagelnetze konnte man sich dagegen schützen. «Für den Weinbau war dieses Jahr ideal. Für die Reben herrschte ideales Sommerwetter», ergänzte Lenz.
Die drei Experten und Expertinnen zeigten in ihren Vorträgen unterschiedliche Lösungsansätze zu der Hitzebelastung und zeigen auf, dass man nicht schutzlos ausgeliefert ist. Es gibt Lösungen, man muss sie «nur» noch umsetzen.
ANDREJ BLASER


