Die Suche nach dem, was hinter den Dingen liegt
18.07.2026 WeiernVor zehn Tagen wurden die Förderbeiträge an Thurgauer Kulturschaffende übergeben. Unter den Preisträgerinnen befindet sich auch Lina Maria Sommer aus Weiern in der Gemeinde Aadorf.
Regierungsrätin Denise Neuweiler hat Anfang Juli im Theaterhaus Thurgau in ...
Vor zehn Tagen wurden die Förderbeiträge an Thurgauer Kulturschaffende übergeben. Unter den Preisträgerinnen befindet sich auch Lina Maria Sommer aus Weiern in der Gemeinde Aadorf.
Regierungsrätin Denise Neuweiler hat Anfang Juli im Theaterhaus Thurgau in Weinfelden die Förderbeiträge 2026 an sechs Kulturschaffende aus dem Kanton Thurgau übergeben. Der Abend war eine Feier der Vielfalt und der Exzellenz des Thurgauer Kulturschaffens sowie eine Würdigung des Engagements der sechs Künstlerinnen und Künstlern für das kulturelle Leben im Kanton und darüber hinaus.
Mut und Entschlossenheit zur eigenen Kunstform
Die Fachjury hatte aus 57 Bewerbungen sechs Thurgauer Künstlerinnen und Künstler ausgewählt, darunter Lina Maria Sommer, visuelle Kunst. Die Übergabefeier fand im gut besuchten Theaterhaus Thurgau in Weinfelden statt. In ihrer Ansprache betonte Denise Neuweiler, Regierungsrätin und Chefin des Departementes für Erziehung und Kultur, welch schöner Effekt der Kultur es sei, dass man über die Arbeiten und Werke der ausgezeichneten Kulturschaffenden vielfältige Verbindungen zu seinem eigenen Leben, seinen eigenen Interessen aber auch zu den Kulturschaffenden und deren Werdegang herstellen könne. Besonders freue sie, dass in diesem Jahr viele Kulturschaffende ausgewählt worden seien, die sich in besonderem Masse für das kulturelle Leben im Kanton einsetzen und viel Zeit und Energie in die Nachwuchsförderung, die Vermittlung ihrer Kunst und das Stärken des jungen Kunstschaffens investieren würden. Sie würdigte den Mut und die Entschlossenheit der sechs Förderbeitragsempfängerinnen und -empfänger, in ihrer jeweils eigenen Kunstform Herausragendes zu erschaffen und Grossartiges zu erreichen.
Die Förderbeiträge wurden von einer Jury vergeben, die sich aus den Fachexpertinnen und Fachexperten des Kulturamtes und externen Fachpersonen zusammensetzt. Die Jury wählte Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Sparten aus und würdigt damit ein breites künstlerisches Schaffen im Kanton und darüber hinaus.
Die Preisträgerin Lina Maria Sommer stand für ein Gespräch zur Verfügung.
Sie wohnen in Weiern bei Aadorf. Sind Sie auch in Weiern aufgewachsen?
Lina Maria Sommer: Ja.
Sie sind freischaffende Künstlerin. Zudem schreiben Sie. Wie sind Sie zur Kunst und zum Schreiben gekommen? Ich habe schlicht niemals mit Schreiben, Zeichnen und Malen aufgehört, seit ich es als Kind gelernt habe. Und mich beschäftigte schon immer eine Suche nach dem, was hinter den Dingen liegt.
Können Sie uns Ihre künstlerischen Tätigkeiten vorstellen?
Ich male Aquarelle und schreibe Gedichte. In Ausstellungen arbeite ich zudem räumlich und installativ. Für die Malerei besteht ein spezifisches, kontinuierliches Verfahren, welches sich an den Jahreszeiten orientiert. Ich male also von Monat zu Monat und lasse mich von meiner sich wandelnden Umgebung beeinflussen. Zwischen den grossen Blättern erarbeite ich Farbstudien und immer schreibe ich. Einige Gedichte werden nächstes Jahr publiziert.
Am 1. Juli erhielten Sie den Kantonalen Förderbeitrag in Weinfelden verliehen. Wie werden Sie den Förderbeitrag von 25’000 Franken einsetzen?
Wie vom Kulturamt vorgesehen: als Stipendium, das mir wichtige Entwicklungsschritte in meiner Arbeit ermöglicht.
Im Jahr 2027 werden Sie den Neubau der Mehrzweckhalle der Primarschule Lauchetal in Affeltrangen künstlerisch gestalten. Können Sie uns schon verraten, welche Arbeit Sie präsentieren werden?
Das Projekt ist zurzeit aufgrund von Einsprachen sistiert, der Ausführungszeitpunkt insofern unklar. Meine Idee, mit der ich den Wettbewerb auf Einladung gewann, besteht aus einem interaktiven Geländer.
In einem Interview erwähnten Sie, dass im Kanton Thurgau die öffentlich geförderten Ausstellungsformate zu wenig vorhanden seien. Wie sehen Ihre Visionen für den Kanton Thurgau aus? Jene Einschätzung mass sich an den etablierten Ausstellungsformaten, welche die Region Bern/Jura mit ihrer jährlichen «Cantonale» veranstaltet. Unsere Region scheint anders zu funktionieren und ich beginne, diese Umstände versöhnlich anzunehmen. Und tatsächlich geschieht einiges in der Thurgauer Kulturlandschaft, das mich freut; unkonventionelle Projekte, fernab des idealisierten Whitecubes. Potential ist vorhanden: weitermachen und hingehen ist die Vision!
Sie sind freischaffende Künstlerin und Mutter eines Kleinkindes. Durch eine zusätzliche Anstellung sicherten Sie während einigen Jahren Ihr Überleben. Was müsste getan werden für die finanzielle Besserstellung der Künstlerinnen und Künstler im Allgemeinen?
Es müsste ein politisches Interesse werden, einkommensschwache Haushalte angemessen zu unterstützen. Meine Gemeinde stellt dem wirtschaftlichen Überleben alleinerziehender Mütter enorme Hürden, da die Kinderbetreuungskosten nicht im Verhältnis zum Einkommen subventioniert werden. Das schafft schwere Mehrfachbelastungen für mich, unter denen ich bereits existentiell gelitten habe, denn auch Drogistinnen verdienen nicht viel. Durch eine frauen- und familienfreundliche Politik würde vielen mehr als nur den Kunstschaffenden geholfen.
BRIGITTE KUNZ-KÄGI
Lina Maria Sommer im Kurzportrait
Die bildende Künstlerin Lina Maria Sommer (1994) wuchs in Weiern auf und ist immer noch in Weiern wohnhaft. Seit fünf Jahren ist Lina Maria Sommer freischaffend tätig und hat den Adolf-Dietrich-Förderpreis der Thurgauischen Kunstgesellschaft erhalten. Die Jury überzeugten ihre grossformatigen Papierarbeiten in Aquarell. Der Preis gilt als Wegbereiter für junge Künstlerinnen und Künstler. Nun folgt eine weitere Auszeichnung mit der Preisverleihung des Kantonalen Förderbeitrages in Weinfelden.


