Die Lokalzeitung im Dialog mit der Bevölkerung
14.04.2026 ElggDie «Elgger/Aadorfer Zeitung» stellte sich im müli. bistro unter dem Motto «Redaktion am Tisch» vor. Im Gespräch mit den Besucherinnen und Besuchern entstand ein bereichernder Austausch darüber, was eine Lokalzeitung heute leisten kann, welche Erwartungen an sie ...
Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» stellte sich im müli. bistro unter dem Motto «Redaktion am Tisch» vor. Im Gespräch mit den Besucherinnen und Besuchern entstand ein bereichernder Austausch darüber, was eine Lokalzeitung heute leisten kann, welche Erwartungen an sie gestellt werden und wie die Bevölkerung aktiv eingebunden werden kann.
Das müli.bistro war bis auf den letzten Platz besetzt. Viele Interessierte erfuhren am Anlass «Redaktion am Tisch» vom vergangenen Donnerstagabend viel über die Geschichte der «Elgger/Aadorfer Zeitung» sowie über die Arbeitsweise und Produktion einer Lokalzeitung in der heutigen Zeit.
Redaktionsteamleiterin Emanuela Manzari begrüsste die Anwesenden und informierte kurz über den Ablauf. Die Redaktion wolle bewusst den «Schreibtisch-Modus» verlassen und den direkten Austausch mit den Leserinnen und Lesern suchen. «Die Zeitung lebt nicht nur von Geschichten, sondern vor allem von den Menschen in der Region und vom Austausch mit ihnen. Daher treffen wir uns heute gemeinsam an einem Tisch», sagte sie und übergab das Wort an Renate Katterbach, Präsidentin des Vereins Heimatmuseum Elgg.
Geschichte der Zeitung
Katterbach tauchte tief in die Geschichte der Zeitung ein, die 1843 erstmals als «Elgger Wochenblatt» erschien. Über Stationen wie den «Allgemeinen Anzeiger aus dem Bezirke Winterthur» und das «Winterthurer Volksblatt» wurde 1974 von Willy Büchi-Huggenberger, der damals auch die «Aadorfer Zeitung» und den «Anzeiger von Wängi» herausgab, die «Elgger Zeitung» gegründet.
1981 übernahmen Andrea Pazeller und Ulrich Aeschlimann die Zeitung in Kooperation mit der Druckerei Turbenthal. Nach der Jahrtausendwende folgte die Expansion nach Aadorf. Seit 2012 erscheint die Zeitung unter dem heutigen Namen «Elgger/Aadorfer Zeitung».
Ab 2015 führte nach dem Tod von Andrea Pazeller dessen Sohn Gian-Marco Pazeller die Zeitung weiter. Seit 2022 besteht ein Online-Angebot, und 2023 wurde das 50-Jahr-Jubiläum gefeiert. Katterbach las dazu einen Bericht der ehemaligen und ebenfalls anwesenden Redaktorin Hedi Lutz aus dem Buch «Geschichte des Landstädtchens Elgg», das im Heimatmuseum erhältlich ist.
Zudem konnten die Anwesenden originale Zeitungsseiten aus den Jahren 1846 bis 1851 sowie gebundene Jahrgänge, etwa von 1903 und aus dem vergangenen Jahr, einsehen. Dabei wurde eindrücklich sichtbar, wie stark sich Sprache, Berichterstattung, Schriftbild und Produktion im Laufe der Zeit verändert haben. Die historischen Ausgaben können im Heimatmuseum eingesehen werden.
In diesem Zusammenhang erwähnte Katterbach auch die Elgger Chronistin Amalie Spiller, die das lokale Geschehen über lange Zeit dokumentierte und Mitbegründerin des Heimatmuseums war.
Spannend waren auch die Inserate aus früheren Zeiten: Kühe wurden zum Verkauf angeboten oder Restaurants warben mit kühlem Bier. Die Entwicklung des Inseratewesens erklärte der erfahrene Verkäufer Adrian Dahinden anhand anschaulicher Beispiele und persönlicher Geschichten.
Heute wird die «Elgger/Aadorfer Zeitung» von der Druckerei Bürli AG in Döttingen gedruckt und erscheint dreimal wöchentlich. Der Redaktionsschluss ist jeweils zwei Tage vor dem Druck. Nach der redaktionellen Bearbeitung gehen die Inhalte an den Layouter und ehemaligen Verlegers des «Alttoggenburger», Milo Kalberer in Bazenheid, und anschliessend zurück in die Redaktion zur Schlusskontrolle. Nach dem Druck übernimmt die Post die Verteilung.
Das Team stellt sich vor
Im Anschluss stellte sich das Redaktionsteam vor: die vielseitig berufserfahrene Emanuela Manzari, seit zweieinhalb Jahren bei der Zeitung tätig, die langjährige Journalistin und Redaktorin Bettina Sticher, seit gut einem Jahr im Team, sowie Daniela Röthlisberger, die ab Mai dazustossen wird. Ein wichtiger Bestandteil der Zeitung ist auch der Inseratenverkäufer Adrian Dahinden, der seit mehr als einem Jahr dabei ist.
Auch die anwesenden freien Mitarbeitenden wurden vorgestellt, darunter Vanessa Sacchet (Porträts), Hedi Lutz (Redaktionsleiterin von 1992 bis 2008), Stefan Wanzenried («Der Federdirigent») und Irene Basler (Berichte aus Aadorf). Ebenso wurde Ursula Pazeller erwähnt, die bei administrativen Aufgaben unterstützt. Die gebundenen Ausgaben werden von der Druckerei Memoform GmbH in Elgg erstellt.
Interaktiver Austausch mit der Bevölkerung
Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» lebt – wie andere Zeitungen auch – von Abonnements und Inseraten, aber ebenso von Vereinsberichten, Leserbriefen und Anregungen aus der Bevölkerung.
Dies zeigte sich besonders im zweiten Teil des Abends: Nach einer Pause wurden Ideen und Rückmeldungen der Anwesenden gesammelt. Auf Fragen zu personellen Wechseln erklärte Manzari, dass die Vorstellungen vom Journalismus nicht immer mit der Realität übereinstimmten.
Angeregt wurde unter anderem ein Buchprojekt mit den historischen Beiträgen von Markus Schär. Insgesamt wurde die Zeitung als wichtige Plattform für den Austausch in der Region gelobt. Natalie Kägi vom Verein rundum.müli sagte: «Es ist schön, dass wir als Verein in der Zeitung präsent sein dürfen.»
Auch die Beiträge von Gemeindeschreiber Marcel Aeschlimann wurden positiv hervorgehoben. Gleichzeitig äusserten Lesende den Wunsch nach mehr investigativen Hintergrundberichten sowie nach einer noch stärkeren Berichterstattung über die Vereine. Dies wurde auch von der Redaktion gewünscht, vor allem das aktive Einsenden von Berichten und Ideen zu versteckten Dorfgeschichten.
Die junge Bevölkerung erreichen
Ein zentrales Thema war die Frage, wie junge Familien und Neuzuzüger besser erreicht werden können. Manzari verwies auf ein geplantes Projekt mit Jugendlichen, um diese gezielt einzubinden. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass gerade bei Jugendlichen ein gewisser Trend zurück zu analogen Dingen erkennbar sei.
Einigkeit herrschte darüber, dass Integration Zeit brauche und nicht alle gleich schnell im Dorf ankommen. Eine Erkenntnis, die bereits am letzten Dorfpalaver des Dorfvereins Elgg diskutiert worden war.
Zudem wurde von den Anwesenden erwähnt, dass auch Leserinnen und Leser aus umliegenden Gemeinden wie dem Tösstal, Schlatt oder Elsau grosses Interesse an lokalen Berichten hätten, oft mehr als an grossen Regionalzeitungen wie dem «Zürcher Oberländer» oder dem «Landboten».
Das Team der «Elgger Aadorfer Zeitung» stellte eine Feedback-Box zur Verfügung, die mit «Ihre Stimme für unsere Zeitung» betitelt war. Emanuela Manzari betonte dazu: «Lob freut uns, aber Kritik bringt uns weiter.» Die Box war sehr beliebt und wurde mit viel Wertschätzung gefüllt, was die Redaktion natürlich sehr freute.
Am Schluss erhielt Renate Katterbach von Emanuela Manzari als Dank für die kompetente geschichtliche Präsentation der Zeitung einen Blumenstrauss. Zudem wurden auch das Team des Vereins rundum.müli sowie die Gastgeber des Abends, Sabine und David Rhyner, für die engagierte Zusammenarbeit verdankt.
Zum Abschluss fand bei einem gemeinsamen Nachtessen ein reger persönlicher Austausch statt. Die Teilnehmenden waren sich einig: Weitere Anlässe dieser Art sind erwünscht.
BETTINA STICHER
BILDER: BETTINA STICHER






