Die Folgen der Trockenperiode zeigen sich erst später
01.09.2026 AadorfDie langanhaltende Hitzeperiode sorgt für Stress bei Natur und Menschen. Die Wälder leiden ebenso unter der Trockenheit wie die Wiesen und Felder. Im Gespräch mit dem Aadorfer Revierförster Joel Oberholzer ging es um den Wald und seine aktuellen Herausforderungen.
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Die langanhaltende Hitzeperiode sorgt für Stress bei Natur und Menschen. Die Wälder leiden ebenso unter der Trockenheit wie die Wiesen und Felder. Im Gespräch mit dem Aadorfer Revierförster Joel Oberholzer ging es um den Wald und seine aktuellen Herausforderungen.
Wenn man in den Wald geht, fällt das gefallene Laub auf. Es knistert unter den Schuhen und das Laub zerbricht in viele tausend kleine Teile. Es ist trocken, sehr trocken. Die Bäume leiden. Vor allem die Buchen kämpfen ums Überleben.
Revierförster Joel Oberholzer erzählt, dass die Bäume aufgrund der sehr langen Trockenheit in der Vitalität leiden, sie wachsen weniger schnell. Es komme auf die Baumart an. Buchen in unserer Region leiden sehr. Später wird man an den Jahrringen der Bäume erkennen, dass im Jahr 2026 ein sehr heisser, trockener Sommer war. Die Physiologie der Bäume ist ebenfalls entscheidend. «Der Standort ist jedoch auch massgebend in Bezug auf die Vitalität der Bäume. Wenn ein Baum auf einem Gebiet in der Grundwasserzone steht, geht es ihm besser, als wenn sich dieser auf einem Kies-Untergrund befindet.»
Die Bäume lassen bei der jetzigen Hitze das Laub fallen. Der Baum reguliert durch die Blätter die Wasserverdunstung. Sonne und Wind sorgen dafür, dass keine Feuchtigkeit mehr vorhanden ist. «So kommt noch weniger Wasser zu den Blättern. Und wenn vom Boden her keine Feuchtigkeit mehr kommt, wirft der Baum die Blätter ab.» Die Blätter werden durch die Hitze braun und sehr trocken. «Dies hat zur Folge, dass bei wenig oder keinem Laub durch die dünne Rinde der Buchen ein Sonnenbrand entstehen kann. So gehen die Zellen an der Rinde kaputt, das Holz ist somit offen und dies kann beispielsweise zu einem Pilzbefall führen.» Ob und wie sich die Bäume erholen werden, wird erst im nächsten Frühjahr zu sehen sein. Durch die Summer aufeinanderfolgender Dürrejahre leiden sie unter Dauerstress und es kommt zu mehr Schäden.
Bei den Rottannen beispielsweise sind die Auswirkungen der Trockenheit weniger ersichtlich, aber auch sie leiden extrem unter der Trockenheit. In diesem Jahr habe es auch weniger Borkenkäfer als im Vorjahr, stellt Joel Oberholzer fest. Die Ausgangspopulation im Frühling war nicht sehr hoch. Doch durch die Trockenheit gestressten Fichten sind dann auch anfälliger auf Buchdruckerbefall im nächsten Jahr.
Zu hoffen bleibt, dass nicht allzu viele Buchen eingehen. Diese werden nicht sehr gut verkauft. Es würde zu viel Holz auf den Markt kommen und man kann diese kaum verkaufen. So würde Energieholz daraus gemacht und wenn die Winter im wärmer werden, brauche es nicht mehr so viel Energieholz. «Für die Wertschöpfung wäre dies schlecht.» Zudem seien viele Tiere auf die Buchen angewiesen, klärt Joel Oberholzer auf. Ein wichtiger Aspekt ist auch die Sicherheit. «Wenn die Buchen wirklich dürr sind und absterben, müsste man diese fällen, falls sie beispielsweise wie bei der Besichtigung am Vitaparours stehen. Es geht um die Sicherheit der Waldbesucher.» Wie die Prognose für die kommenden Jahre aussehen wird, ist schwer zu sagen. «Man muss mit dem Wetter umgehen, so wie es ist. Es kommen wieder neue Problematiken dazu.»
Joel Oberholzer erzählt, dass die zuständigen Revierförster den Wald sehr genau beobachten.
Es braucht mehr als ein Gewitter
Niederschläge sind dringend nötig. Und es reicht nicht, dass ein Gewitter über die Gegend zieht. Dann kommt nämlich so viel Wasser, welches sofort abfliesst. «Der Boden sollte mit normalem Regenschauer zuerst angefeuchtet werden, damit er die Nässe aufnehmen kann.»
Erhöhte Waldbrandgefahr
Wegen der anhaltenden Trockenheit ist das Risiko für Flur- und Waldbrände derzeit deutlich erhöht. In dieser Situation ist es wichtig, bestehende Feuerverbote konsequent einzuhalten. Selbst bei grosser Vorsicht lassen sich Funkenflug oder eine unkontrollierte Ausbreitung durch den Wind kaum verhindern. Besonders Nadelwälder entzünden sich bei Wassermangel sehr leicht, da das trockene Reisig und die Nadeln am Boden wie Brandbeschleuniger wirken. Die Gefahr durch Unachtsamkeit wird im Alltag oft unterschätzt. Bereits eine achtlos weggeworfene Zigarette oder eine unvollständig gelöschte Grillstelle können ausreichen, um das trockene Unterholz in Brand zu stecken. Daten des Bundesamts für Umweltschutz (BAFU) zeigen die Realität deutlich: In der Schweiz werden rund 90 Prozent aller Waldbrände durch den Menschen verursacht – meistens aus Fahrlässigkeit.
BRIGITTE KUNZ-KÄGI



