«Die Flüssigkeitsversorgung hat eine hohe Priorität»
11.07.2026 AadorfDie erste Hitzewelle des Jahres im Juni hat die Schweizer Bevölkerung kalt oder in diesem Fall besser heiss erwischt. Nicht zuletzt für ältere Menschen stellt sie eine grosse Herausforderung dar. Wie gehen die Alterszentren in der Region damit um? Die «Elgger/Aadorfer ...
Die erste Hitzewelle des Jahres im Juni hat die Schweizer Bevölkerung kalt oder in diesem Fall besser heiss erwischt. Nicht zuletzt für ältere Menschen stellt sie eine grosse Herausforderung dar. Wie gehen die Alterszentren in der Region damit um? Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» hat beim Alterszentrum Aaheim in Aadorf nachgefragt.
Herr Cola, wir haben erst gerade eine für den Juni besonders intensive und lange Hitzeperiode hinter uns. Wie geht es den Bewohnenden des Alterszentrums Aaheim? Wie sind sie allgemein mit der Hitze zurechtgekommen?
Gion Cola, Geschäftsführer «Aaheim»: Unsere Bewohnenden sind bis jetzt mit der Hitze gut zurechtgekommen. In allen Wohngruppen hängen Warnschilder. Grundsätzlich gilt es, körperliche Anstrengungen zu meiden, Hitze fernzuhalten und den Körper zu kühlen sowie viel trinken und leicht zu essen.
Eine Tagestemperatur ab 26°C in Wohnräumen sollte gemäss kantonalen Empfehlungen möglichst nicht überschritten werden. Wie gut gelingt Ihnen das in Aadorf? Gibt es einen Notfallplan?
Bis jetzt ist uns das gut gelungen, auch aufgrund der nachfolgend geschilderten Massnahmen. Im Haus Adesta, wo die Temperaturen mehr steigen als im Haus Arivo, haben wir eine aktive Kühlung installiert.
Was unternimmt das Alterszentrum, wenn MeteoSchweiz eine offizielle Hitzewarnung für die Region herausgibt?
Wir verfolgen die Hitzewarnungen von MeteoSchweiz. Bei Hitzewarnungen sensibilisieren wir unsere Mitarbeitenden zusätzlich, gut zu den Bewohnenden zu schauen.
Wie sind ihre Gebäude gegen die sommerliche Hitze isoliert, und wo stossen Sie bei langanhaltenden Hitzewellen an bauliche Grenzen?
Das Haus Adesta verfügt über eine weniger gute Hitze-Isolation. Wie oben erwähnt, haben wir dort eine aktive Kühlung installiert.
Welche Methoden wenden Sie sonst noch an, um das Haus möglichst kühl zu halten, vor allem auch bei Tropennächten (nicht unter 20°C)?
In den Korridoren und Büroräumen werden Ventilatoren aufgestellt zur Kühlung von Bewohnenden und Mitarbeitenden. Am frühen Morgen werden die Wohngruppen gut durchlüftet. Sobald es wärmer wird, werden die Rollländen heruntergelassen.
An Hitzetagen sollten körperlich anstrengende Aktivitäten in die kühlen Morgenstunden verlegt werden. Wie aufwendig ist es, das umzusetzen und in die Tagesabläufe zu integrieren?
Die Pflegenden informieren die Bewohnenden, dass sie eher am Morgen Spaziergänge durchführen sollen und nicht am Nachmittag, wenn es heiss ist. Viele Aktivitäten finden im Haus statt ausserhalb des Hauses statt. Es wird darauf geachtet, dass die Bewohnenden leichte Kleidung anziehen.
Die Hitze betrifft nicht nur die Bewohnenden, sondern fordert auch das Pflegepersonal. Welche Massnahmen ergreifen Sie, um die Mitarbeitenden zu schützen?
Für die Mitarbeitenden werden gratis Eistee und Äpfel bereitgestellt. Auch in den Stationszimmern werden Ventilatoren aufgestellt.
Das Durstempfinden lässt im Alter nach. Mit welchen praktischen oder kreativen Methoden motivieren die Pflegerinnen und Pfleger die Bewohnenden, insbesondere Menschen mit Demenz, zum regelmässigen Trinken?
Die Sicherstellung der Flüssigkeitsversorgung hat eine hohe Priorität. Wir bieten den Bewohnenden isotonische Getränke an wie zum Beispiel Isostar in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Eistee und Früchte werden gekühlt und in genügender Menge bereitgestellt. Waschlappen werden nass gemacht und gekühlt, bei Bedarf können Bewohnende diese nutzen. Unsere Mitarbeitenden schauen darauf, dass die Bewohnenden möglichst viel trinken und wasserreiche Nahrung zu sich nehmen.
Bestimmte Medikamente können bei extremer Hitze gefährlich werden. Wie gelingt es, die Dosierungen an Hitzetagen sinnvoll anzupassen?
Die Dosierungen dürfen lediglich nach Rücksprache mit den behandelnden Ärzten angepasst werden. Die Pflege fragt, wenn erforderlich, entsprechend beim Arzt nach einer Anpassung der Verordnung nach.
Die Medikamente sind immer abgedunkelt im Medikamentenwagen im Medikamentenzimmer. Auch hier ist ein Ventilator im Einsatz. Die Rollläden sind geschlossen. Gekühlte Medikamente befinden sich in der Apotheke.
Das Abdunkeln von Räumen und das Meiden der Sonne kann aufs Gemüt schlagen. Man ist drinnen eingesperrt. Wie schaffen Sie für die Bewohnenden des Alterszentrums die Balance zwischen notwendigem Hitzeschutz und sommerlicher Lebensqualität, auch im Freien?
Die Raumtemperaturen werden regelmässig kontrolliert. In den Wohngruppen befinden sich grosse Terrassen, welche die Bewohnende benutzen können. Vor allem am Vormittag, sobald es wärmer wird, werden auch die Terrassen geschlossen, damit die Hitze nicht eindringen kann.
Die Hitzeperiode im Juni war voraussichtlich nicht die letzte dieses Jahr. Und in Zukunft dürften sie gemäss Prognosen länger und noch heisser werden. Was haben Sie aus vergangenen Hitzetagen, gelernt? Was könnte noch optimiert werden? Gibt es Pläne für langfristige Investitionen, zum Beispiel bauliche Anpassungen?
Wir werden bauliche Massnahmen im Rahmen unseres Projektes «Masterplan» für die kommenden Jahre prüfen.
Wie können Angehörige oder Freiwillige helfen?
Angehörige und freiwillige Mitarbeitende können helfen, indem sie auch die oben erwähnten Massnahmen mittragen.
INTERVIEW: BETTINA STICHER


