Mit der Schliessung der historischen Buchhandlung Hoepli mit gleichnamigem Verlag ging Ende März 2026 ein Stück Schweizer Geschichte zu Ende. Dies nach einst erfolgreichen 156 Jahren. Die Libreria Hoepli mit zuletzt 90 Angestellten war in Mailand eine Institution. Die Meldung der ...
Mit der Schliessung der historischen Buchhandlung Hoepli mit gleichnamigem Verlag ging Ende März 2026 ein Stück Schweizer Geschichte zu Ende. Dies nach einst erfolgreichen 156 Jahren. Die Libreria Hoepli mit zuletzt 90 Angestellten war in Mailand eine Institution. Die Meldung der Auflösung mit den auf über sechs Stockwerken verteilten Büchern an der Via Hoepli schlug wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein. Ein Schock.
Insidern waren die Probleme um Buchhandlung und Verlag bereits seit einiger Zeit bekannt. Familieninterne Streitigkeiten und die vermehrte Digitalisierung sind die Hauptgründe der Aufgabe.
Schweizer Wurzeln in Tuttwil
Sachbücher, Nachschlagwerke, Gesetzessammlungen, sprachliche Lehrmittel und Schulbücher waren in ganz Italien bekannt. Das Imperium Ulrico Hoepli (1847 – 1935) hat seine Wurzeln im thurgauischen Tuttwil. 1870 wanderte der junge, erst 23-jährige Ulrico nach Mailand aus und liess sich als Buchhändler anstellen, um kurz danach eine international renommierte Buchhandlung zu übernehmen. Ein Jahr später gründete er den Verlag, der bis heute seinen Namen trägt und Geschichte schrieb.
Als Editor prägte er auch kulturell das moderne Italien mit; wurde auch als Herausgeber von Mussolinis Schriften gekannt. Ein Unternehmen, das immer seine Schweizer Wurzeln betonte. Das traurige Ende – in sechster Generation geführt – wurde unter anderem so begründet: «Die aktuelle Einschätzung der negativen Geschäftsergebnisse sowie die Tatsache, dass es unmöglich sei, den schwerwiegenden Konflikt innerhalb der Gesellschaft beizulegen.»
Der bestmögliche Schutz gegen die Zersplitterung des Unternehmensvermögens führte schlussendlich als einzig rechtlich angemessene Lösung zur freiwilligen Liquidation.
Eine imposante Ära findet somit ihr Ende.
KURT HEIDER, AADORF