«Dein unsichtbarer Mitarbeiter» – KI im Fokus
21.02.2026 AadorfAm vergangenen Dienstag fand im Hotel und Restaurant Heidelberg das erste lunch@work des Jahres 2026 statt. Unter dem Titel «Dein unsichtbarer Mitarbeiter» zeigte Ivan Rizzuto auf, wie Microsoft 365, Artificial Intelligence (AI) beziehungsweise Künstliche Intelligenz (KI) im ...
Am vergangenen Dienstag fand im Hotel und Restaurant Heidelberg das erste lunch@work des Jahres 2026 statt. Unter dem Titel «Dein unsichtbarer Mitarbeiter» zeigte Ivan Rizzuto auf, wie Microsoft 365, Artificial Intelligence (AI) beziehungsweise Künstliche Intelligenz (KI) im KMU-Alltag bereits heute im Hintergrund wirken.
Maria Brühwiler, Präsidentin des Arbeitgeberverbands (AGV) Südthurgau, begrüsste die zahlreichen Mitglieder zum ersten Anlass im neuen Jahr. Bereits anhand der Anmeldungen sei das grosse Interesse am Thema deutlich spürbar gewesen, betonte sie. Anschliessend stellte sie den Referenten Ivan Rizzuto von der Firma Cloud Solution GmbH in St. Gallen vor und übergab ihm das Wort.
Ivan Rizzuto nahm das Publikum zunächst mit auf eine kurze Reise durch die Welt von AI und KI. Er stellte fest, dass die Gefühle im Umgang mit künstlicher Intelligenz sehr unterschiedlich seien: Während einige sie bereits intensiv nutzen, sind andere noch erstaunt, was alles möglich ist.
Anhand des International Collegiate Programming Contest (ICPC), einem seit 1970 jährlich stattfindenden, mehrstufigen Programmierwettbewerb zwischen Universitäten weltweit, veranschaulichte er die Leistungsfähigkeit moderner KI-Systeme. Rund 3000 hochbegabte Teilnehmende aus 139 Teams und 103 Ländern lösen dabei komplexe mathematische und algorithmische Aufgaben. Von zwölf Aufgaben konnten nur vier Teams zehn lösen. Ein KI-System von Gemini schaffte es ebenfalls, zehn Aufgaben korrekt zu lösen – ein Rekord. OpenAI gelang es sogar, alle zwölf Aufgaben zu bewältigen.
Dies zeige deutlich, so Rizzuto, dass künstliche Intelligenz in gewissen Fähigkeiten den Menschen bereits übertreffe. Die Frage sei heute nicht mehr, ob man KI einsetzen solle – sie sei längst Realität. Auch im Bereich der Softwareentwicklung habe sich vieles grundlegend verändert. Bei einem Weltmeisterschaftsanlass habe ein menschlicher Teilnehmer gewonnen, jedoch selbst erklärt, es könnte das letzte Mal gewesen sein, dass ein Mensch siegt. Eine neue Zeitrechnung beginne – Intelligenz sei heute auf Abruf verfügbar und eröffne neue Chancen.
KI ist längst im Alltag angekommen
Viele nähmen KI als neue Entwicklung wahr, doch tatsächlich werde sie bereits seit Jahren eingesetzt – auch bei Sportveranstaltungen oder in medizinischen Bereichen. Statistiken von OpenAI vom September 2025 zeigen, dass rund 70 Prozent der Nutzung im privaten Bereich stattfinden – etwa bei Alltagsfragen, Lernprozessen oder persönlichen Anliegen. Der geschäftliche Anteil sei deutlich geringer.
Es gebe kostenlose sowie kostenpflichtige Pro-Versionen. Letztere böten deutlich mehr Potenzial. Rizzuto verglich die Gratisversion mit einem Ferrari im ersten Gang – leistungsfähig, aber nicht voll ausgeschöpft. Nur rund die Hälfte der Nutzerinnen und Nutzer verfüge über ein kostenpflichtiges KI-Abonnement.
Im medizinischen Bereich treffen gewisse KI-Systeme bereits Entscheidungen, da der Mensch mit der Zeit ermüdet und zunehmend auf KI-Unterstützung zurückgreift. Das Entwicklungstempo sei enorm.
Vom Chatbot zum autonomen Agenten
Einen Chatbot verglich Rizzuto mit einem Praktikanten: Entscheidend sei, wie präzise Aufgaben formuliert würden. Je klarer die Kommandos, desto besser das Resultat. Ein sogenannter Agent könne selbstständig auf Wünsche reagieren, benötige jedoch genaue Anweisungen. Man könne KI-Systemen sogar Zugriffsrechte auf eigene Systeme erteilen.
So könne ein Cloud-Code-Agent im Terminal Aufgaben selbstständig lösen, auf Websites zugreifen, Listen bearbeiten oder Recherchen durchführen. Je detaillierter die Anweisungen, desto selbstständiger finde das System den richtigen Weg. Unternehmensprozesse liessen sich dadurch umstellen, vereinfachen und beschleunigen – vom Ausfüllen von Formularen bis zur Informationsverwaltung.
Für Aufsehen sorgt aktuell OpenClaw, ein frei verfügbares Baukastensystem für KI-Agenten, das Ende 2025 veröffentlicht wurde. Entwickelt wurde es vom österreichischstämmigen Programmierer Peter Steinberger. Open-Claw dient als Schnittstelle für autonome Arbeitsabläufe und läuft lokal. Es kann mit grossen Sprachmodellen wie Claude, DeepSeek oder GPT-Modellen von OpenAI verbunden werden.
Solchen Agenten könnten – ähnlich wie Menschen – Kreditkarten oder Passwörter zugewiesen werden, um eigenständig Aufgaben zu erledigen. Auch persönliche Assistenten seien möglich, etwa zur Analyse und Überwachung von Fitness- und Trainingsdaten. Ebenso lasse sich eine eigene App anbinden: Sprachmemos könnten E-Mails auslösen oder Medikamente in der Apotheke bestellen. Das sei keine Zukunftsmusik mehr, sondern bereits Realität. Fragen zu Datenschutz und Sicherheit seien zwar noch nicht abschliessend geklärt, dennoch könne man bereits produktiv mit diesen Systemen arbeiten.
Microsoft 365 als Ökosystem
Im Unternehmenskontext betonte Rizzuto, dass Microsoft 365 weit mehr sei als eine Office- oder Cloudlösung. Es handle sich um ein umfassendes Ökosystem mit Programmen wie Share-Point, Planner, Aufgabenmanagementund Automatisierungstools. Innerhalb dieser Plattform sei Copilot integriert, der Dokumente durchsuchen, Daten auffinden oder Termine koordinieren könne. E-Mail, Kalender und Dokumentenablage seien intelligent vernetzt.
Viele Unternehmen seien sich des grossen Potenzials von Microsoft 365 gar nicht bewusst. Technologie sei jedoch nur ein Werkzeug – entscheidend seien klare Organisation und definierte Prozesse. Mitarbeitende müssten wissen, wie man dieses Werkzeug richtig einsetzt. Jede Firma sei individuell, und angesichts der rasanten Entwicklung stelle sich die Frage, wie realistisch und machbar KI-Implementierungen seien. Schulungen seien unerlässlich, ebenso das Identifizieren von Mitarbeitenden, die sich besonders für das Thema begeistern.
Energiefrage bleibt aktuell
In der abschliessenden Fragerunde erkundigte sich Maria Brühwiler nach der Rechenkapazität und dem Energieverbrauch. Rizzuto erklärte, dass das Thema Wasserverbrauch heute weniger dramatisch sei als ursprünglich angenommen. Dennoch werde insbesondere die Energiefrage weiterhin aktuell bleiben.
Zum Schluss bedankte sich Maria Brühwiler bei Ivan Rizzuto mit einem Präsent für den spannenden Einblick.
Sie wies zudem auf kommende Anlässe hin: Am 5. März findet in Aadorf eine Firmenbesichtigung bei der Firma Heim statt, verbunden mit einem Polit-Talk mit Mathias Binswanger und Jérôme Müggler zum Thema EU-Abkommen. Am 28. April folgt die Generalversammlung bei Chris Sport in Eschlikon mit anschliessender Besichtigung. Man freue sich auf zahlreiche Teilnehmende.
Beim anschliessenden gemeinsamen Mittagessen nutzten die Gäste die Gelegenheit zum Austausch in angenehmer Atmosphäre.
EMANUELA MANZARI
Ivan Rizzuto ist Mitgründer der Cloud Solution GmbH und unterstützt KMU auf ihrem Weg durch die digitale Transformation. Seine Expertise liegt an der Schnittstelle zwischen technischem Know-how und betriebswirtschaftlichem Verständnis. Er begleitet Unternehmen bei der Optimierung ihrer Prozesse mit massgeschneiderten Cloud-Lösungen und digitalen Arbeitsstrategien.
Seine Arbeit in den Bereichen Transformation, Technologie, Digital, Cloud und Microsoft 365 führt zu innovativen und zukunftssicheren Lösungen, die Kunden wettbewerbsfähiger machen. Technologie versteht er als Werkzeug, das den Arbeitsalltag vereinfachen und Unternehmen stärken soll – nicht als zusätzliche Belastung.
Als Prüfungsexperte im Beruf Informatiker und als Dozent gibt er sein Wissen weiter. Seine technischen Fähigkeiten sind durch verschiedene Zertifikate belegt, darunter «Microsoft Certified: Azure Administrator Associate» und «Azure Fundamentals».

