Das Wasser in Aadorf kostet in Zukunft mehr
05.05.2026 AadorfAadorferinnen und Aadorfer müssen fürs Wasser bald tiefer in die Tasche greifen, wenn auch weniger als zunächst vorgesehen. An der ausserordentlichen Gemeindeversammlung wurde die Vorlage letzte Woche vom Souverän gutgeheissen.
Preiserhöhungen sind nicht beliebt ...
Aadorferinnen und Aadorfer müssen fürs Wasser bald tiefer in die Tasche greifen, wenn auch weniger als zunächst vorgesehen. An der ausserordentlichen Gemeindeversammlung wurde die Vorlage letzte Woche vom Souverän gutgeheissen.
Preiserhöhungen sind nicht beliebt – erst recht nicht in angespannten Zeiten. Das war bei den 217 von 6479 stimmberechtigten Personen spürbar, die Gemeindepräsident Markus Küng am vergangenen Mittwochabend im Gemeindesaal Aadorf begrüssen konnte. Küng zeigte sich erfreut über das Interesse, merkte aber an, dass der Saal nicht ausgereicht hätte, wenn alle 1116 Unterzeichnenden des Referendums erschienen wären.
Dank des Anfang Jahr ausgearbeiteten Kompromisses anstelle der Verdoppelung der Gebühren, folgten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger den Anträgen des Gemeinderates grossmehrheitlich, allerdings nicht ohne kritische Fragen. Über eine Stunde lang wurde zum Teil sehr detailreich debattiert.
Finanzlage und Investitionen
Zu Beginn erläuterte der Gemeindepräsident die Ausgangslage mit steigender Verschuldung und hohen Investitionen. Grundsätzlich müssen die Einnahmen die Ausgaben und Investitionen decken, ohne Quersubventionierung aus anderen Sparten. Grundlage der Planung bildet das generelle Wasserversorgungsprojekt (GWP). Wo möglich, würden diese mit Projekten der politischen Gemeinde koordiniert. Die Verschuldung der Sparte Wasser liegt derzeit bei rund sechs Millionen Franken. «Sie sollte die 10-Millionen-Grenze nicht überschreiten», betonte Küng. Ohne Gebührenerhöhung wäre diese Grenze in wenigen Jahren erreicht worden.
Kompromiss zur Erhöhung
Ursprünglich hatten Gemeinderat und Betriebskommission des EW Aadorf eine deutlich stärkere Erhöhung beschlossen, um die Schulden bis 2030 abzubauen. Dagegen wurde das Referendum ergriffen. In Gesprächen mit Parteien und Referendumskomitee entstand ein Kompromiss.
Dieser sieht ab 2027 eine Grundgebühr von 300 Franken pro Jahr (bisher 260) sowie eine Verbrauchsgebühr von 1.80 Franken pro Kubikmeter (bisher 1.20) vor. Die Verschuldung dürfte damit bis 2030 auf rund 7,7 Millionen Franken steigen. «Das Ziel, den Schuldenanstieg vollständig zu stoppen, wird damit nicht erreicht», so Küng. Weitere Anpassungen seien künftig möglich.
Für einen durchschnittlichen Vierpersonenhaushalt steigen die jährlichen Kosten somit von 476 auf geschätzte 624 Franken.
Breite Diskussion
In der Diskussion ging es unter anderem um die Aufteilung zwischen Grund- und Verbrauchsgebühr. Angeregt wurde eine stärkere Gewichtung der Verbrauchsgebühr zur höheren Sozialverträglichkeit. Küng verwies auf die Empfehlung des Schweizerischen Dachverbandes für Wasser, Gas und Wärme (SVGW) zur prozentualen Aufteilung mit einem deutlich kleineren Anteil Mengengebühr aufgrund der hohen Infrastrukturkosten. Mit dem gewählten Verhältnis sei man aber davon abgewichen und dem Verbraucherargument etwas entgegengekommen. Für die Grossverbraucher (Landwirtschaft und Gewerbe) sei die Mengengebühr aber belastend, wurde in einem weiteren Votum klargemacht.
Auch die Investitionsplanung wurde thematisiert. Küng betonte, dass man die Investitionen möglichst gleichmässig und finanzverträglich plane – im Schnitt rund eine Million Franken pro Jahr.
Weitere Fragen betrafen geplante Projekte wie den Neubau des Feuerwehrund EW-Gebäudes sowie die Wasserqualität. Themen wie Nitrat und PFAS wurden angesprochen. Grenzwerte würden eingehalten, gleichzeitig werde an Lösungen gearbeitet. Küng verwies auch auf verschärfte gesetzliche Anforderungen an das Trinkwasser, die ebenfalls zu höheren Kosten führen.
Nicht nur die Investitionen, sondern auch Unterhalt und Werterhalt der Infrastruktur verursachen hohe Kosten. Aadorf verfüge über ein grosses, topografisch anspruchsvolles Versorgungsnetz mit Reservoiren, Pumpwerken und zahlreichen Leitungen. Das überarbeitete GWP setze Prioritäten, wobei nicht alle Massnahmen zwingend umgesetzt würden.
Wertvolles Trinkwasser
Unterstützt bei der Beantwortung der Fragen wurde der Gemeinderat von Fachpersonen aus der Gemeindeverwaltung und des EW Aadorf.
Gewürdigt von den Initianten wurden der Kompromiss und die Art, wie er zustande kam. Ein Votum zum Schluss setzte das Thema in einen grösseren Zusammenhang. Eine Stimmbürgerin erinnerte an den Wert von zuverlässigem Trinkwasser und rief zu einem sorgsamen Umgang damit auf. Das schone auch die Finanzen.
Deutliche Zustimmung
Die Anträge wurden schliesslich mit wenigen Gegenstimmen angenommen, 15 bei der Grundgebühr und 30 beim Kubikmeterpreis.
Zum Abschluss informierte der Gemeinderat über anstehende wichtige Anlässe, so das Badifest zum 60-Jahr-Jubiläum des Freibads Heidelberg vom 5. Bis 7. Juni, die Information zur Aufhebung der Sondernutzungspläne am 11. Juni sowie die Urnenabstimmung zum Neubau des Feuerwehr- und EW-Gebäudes am 27. September 2026.
Bei einem Apéro klang der anspruchsvolle Abend gemütlich aus.
BETTINA STICHER



