Besuch eines Imams an der Primarschule: Stellungnahme
08.01.2026 HagenbuchIch möchte gerne auf die Kolumne in der «Elgger/Aadorfer Zeitung» vom 30. Dezember eingehen, in der der Besuch eines Imams an der Primarschule Hagenbuch polemisiert wurde. Normalerweise reagiere ich nicht auf solche Beiträge, doch in diesem Fall sind diverse Behauptungen ...
Ich möchte gerne auf die Kolumne in der «Elgger/Aadorfer Zeitung» vom 30. Dezember eingehen, in der der Besuch eines Imams an der Primarschule Hagenbuch polemisiert wurde. Normalerweise reagiere ich nicht auf solche Beiträge, doch in diesem Fall sind diverse Behauptungen nachweislich falsch, sodass eine Klarstellung nötig ist. Die Schülerinnen und Schüler besuchen gemäss Lehrplan das Fach Religionen, Kulturen und Ethik (RKE). Ziel ist es, religiöse Motive, kulturell geprägte Lebensweisen und unterschiedliche Weltanschauungen kennenzulernen, zu vergleichen und kritisch hinterfragen zu können. Dieses Fach ist fester Bestandteil des Lehrplans und unabhängig davon, wie viele Kinder welchen Glauben an unserer Schule haben.
Vor den Sommerferien stand das Thema «Islam» auf dem Programm, und zwar nicht aus besonderer Gewichtung, sondern weil es im Lehrplan vorgesehen war. Da die Unterstufe in gewissen Fächern zusammenarbeitet, wurde im Team entschieden, für dieses Thema einen Imam einzuladen. Es handelte sich nicht um einen Hassprediger, sondern um einen, welcher in seiner Gemeinde den interreligiösen Austausch fördert.
Die Eltern wurden über unseren Schul-Messengerdienst «ESCOLA» informiert, dass für diese RKE-Lektion zum Thema Islam ein Imam eingeladen wurde. Einige reagierten besorgt auf diese Information und wandten sich an die Lehrpersonen. Die Schule nahm diese Bedenken ernst und bezog auch die Schulpflege mit ein.
In Gesprächen legten die Schulleitung und die Lehrpersonen dar, welche Abklärungen erfolgten und was das Ziel dieser Unterrichtsform war. Den Eltern wurde zudem angeboten, am Unterricht teilzunehmen, was einige auch nutzten. Die Behauptung, den Eltern sei der Zugang zum Unterricht verwehrt worden, weise ich entschieden zurück.
Es besteht immer die Möglichkeit, den Unterricht seines Kindes besuchen zu dürfen. Ich selbst war bei zwei Präsentationen anwesend, um mir ein Bild machen und für Gespräche mit Eltern zur Verfügung stehen zu können.
Der Unterricht war bewusst einfach gestaltet: Der Imam erklärte die Entstehung des Islam, zeigte Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Weltreligionen auf und brachte einige Gegenstände mit, welche die Kinder anschauen konnten. Für mich waren die neugierigen Fragen der Kinder besonders erfreulich – von einfachen bis hin zu gesellschaftskritischen Themen wie zum Beispiel der Umgang mit den und die Stellung der Frauen im Islam. Die Kinder begegneten dem Thema ohne Angst, was mich sehr gefreut hat. Ich kann Ihnen zudem versichern, dass die Organisation und Planung des Unterrichts weder bequem für die Lehrpersonen waren noch, dass sich diese unwissend und ohne Vorbereitung zurücklehnen konnten.
Ich möchte Sie daher nochmals bitten, bei Fragen sich direkt an mich zu wenden und sich nicht auf eine zweifelhafte Kolumne zu beschränken, in welcher die Fakten falsch wiedergegeben werden.
PATRICK TRACHSEL SCHULPFLEGEPRÄSIDENT PRIMARSCHULE HAGENBUCH
