Berufe ım Fokus: Schneideri - Monika Bruhwiler, Elgg
13.08.2026«Manchmal braucht es einen Umweg, um den richtigen Weg zu fiinden»
Vom eigenen Atelier über Hochzeitskleider und handgefertigte Taschen bis hin zu täglichen Nähtipps auf Instagram – Monika Brühwiler verbindet traditionelles Schneiderhandwerk ...
«Manchmal braucht es einen Umweg, um den richtigen Weg zu fiinden»
Vom eigenen Atelier über Hochzeitskleider und handgefertigte Taschen bis hin zu täglichen Nähtipps auf Instagram – Monika Brühwiler verbindet traditionelles Schneiderhandwerk mit Kreativität, Nachhaltigkeit und moderner Kommunikation. Dass sie ihren Traumberuf erst mit 50 Jahren erlernte, macht ihre Geschichte umso inspirierender.
Frau Brühwiler, welche Fähigkeiten sollte man mitbringen, wenn man sich für den Beruf der Schneiderin entscheidet?
Monika Brühwiler: Man braucht Freude am Handwerk, Kreativität und viel Geduld. Präzises Arbeiten ist genauso wichtig wie Einfühlungsvermögen, denn hinter vielen Aufträgen stehen persönliche Geschichten und besondere Momente. Wer gerne mit den Händen arbeitet und Menschen mit seiner Arbeit glücklich machen möchte, ist in diesem Beruf genau richtig.
Was sind Ihre schönsten Erfolgserlebnisse als Schneiderin?
Die schönsten Erfolgserlebnisse sind die strahlenden Gesichter meiner Kundinnen und Kunden. Besonders emotional ist es bei Änderungen von Hochzeitskleidern. Wenn eine Braut ihr Kleid zum letzten Mal anprobiert und sich im Spiegel sieht, ist das oft ein unvergesslicher Moment – auch für mich. Ebenso freue ich mich, wenn aus einer Idee eine individuelle Tasche entsteht oder ein geliebtes Kleidungsstück oder eine Tasche durch eine Reparatur wieder viele Jahre genutzt werden kann.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf als Schneiderin besonders? Was fasziniert Sie daran?
Ich liebe die Vielseitigkeit meines Berufs. Kein Tag ist wie der andere. Ich fertige vegane Taschen an, ändere Hochzeits- und Festkleider, repariere Lieblingsstücke und darf mein Wissen in Nähkursen sowie mit meinen täglichen Nähtipps auf Instagram weitergeben. Es fasziniert mich, mit meinen Händen etwas zu schaffen, das Menschen lange begleitet oder einen ganz besonderen Moment im Leben perfekt macht.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Schneiderin aus?
Mein Arbeitstag ist sehr abwechslungsreich. Ich berate Kundinnen und Kunden, bespreche Änderungswünsche, fertige Taschen an, ändere Braut- und Abendkleider, führe Reparaturen aus und bereite Nähkurse vor oder leite sie. Daneben produziere ich täglich Inhalte für Instagram, um praktische Nähtipps weiterzugeben. Materialeinkauf, Planung und die Betreuung meiner Website gehören ebenfalls zum Alltag.
Welche besonderen Herausforderungen erleben Sie in Ihrem Berufsalltag als Schneiderin?
Jeder Auftrag ist anders. Gerade bei Hochzeitskleidern trägt man eine grosse Verantwortung, denn dieser Tag soll perfekt werden. Oft arbeite ich mit sehr feinen Stoffen oder hochwertigen Materialien, bei denen höchste Präzision gefragt ist. Gleichzeitig möchte ich die Persönlichkeit und Wünsche meiner Kundinnen und Kunden bestmöglich umsetzen.
Was zeichnet eine gute Schneiderin aus?
Eine gute Schneiderin verbindet handwerkliches Können mit Herzblut. Sie arbeitet sorgfältig, nimmt sich Zeit für jedes Detail und hört den Menschen zu. Gerade bei individuellen Anfertigungen oder Änderungen ist Vertrauen sehr wichtig.
Welche Rolle spielt der persönliche Kontakt mit Ihren Kundinnen und Kunden in Ihrem Arbeitsalltag?
Der persönliche Kontakt ist einer der schönsten Teile meiner Arbeit. Viele Menschen kommen mit besonderen Wünschen oder emotionalen Erinnerungen zu mir. Ob ein Hochzeitskleid, das perfekt sitzen soll, eine geliebte Tasche mit Geschichte oder jemand, der im Nähkurs seine ersten eigenen Projekte umsetzt – all diese Begegnungen machen meinen Beruf besonders.
Welcher Auftrag ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Jeder Auftrag erzählt seine eigene Geschichte. Besonders spannend finde ich individuelle Taschen nach Kundenwunsch und aufwendige Änderungen an Hochzeitskleidern. Jedes Kleid ist einzigartig und Teil eines ganz besonderen Lebensereignisses. Genauso bereitet es mir grosse Freude, Menschen in meinen Nähkursen zu begleiten und zu sehen, wie stolz sie ihr erstes selbst genähtes Werk präsentieren.
Gab es in Ihrer Laufbahn als Schneiderin einen unvergesslichen Moment?
Es gibt viele unvergessliche Momente. Besonders berühren mich die Reaktionen von Bräuten, wenn ihr Kleid perfekt sitzt und sie sich zum ersten Mal komplett geschniegelt im Spiegel sehen. Ebenso freue ich mich, wenn Kursteilnehmende stolz ihre fertigen Nähprojekte präsentieren oder Kundinnen und Kunden erzählen, wie lange sie ihre reparierte Tasche oder ihr Lieblingskleid noch weitertragen können. Solche Augenblicke zeigen mir immer wieder, warum ich meinen Beruf so liebe.
Welche Auswirkungen haben Modernisierung und Digitalisierung auf Ihre Arbeit als Schneiderin?
Die Digitalisierung hat meinen Beruf stark erweitert. Über meine Website und meine Social-Media-Kanäle erreiche ich Menschen weit über die Region hinaus. Auf Instagram veröffentliche ich täglich einen Nähtipp, gebe Einblicke in meinen Atelieralltag und zeige, wie vielseitig das Schneiderhandwerk ist. Es freut mich, wenn ich damit andere inspirieren oder ihnen den Mut geben kann, selbst kreativ zu werden. Trotzdem bleibt der wichtigste Teil meiner Arbeit unverändert: persönlicher Kontakt, handwerkliches Können und die Liebe zum Detail.
Wie hat sich das Schneiderhandwerk in den letzten Jahren verändert?
Nachhaltigkeit und Individualität sind heute wichtiger denn je. Viele Menschen lassen ihre Lieblingsstücke reparieren oder ändern, statt sie zu ersetzen. Gleichzeitig wünschen sie sich persönliche Einzelstücke. Auch das Interesse am Selbernähen wächst wieder. Über meine Nähkurse und meine täglichen Nähtipps auf Instagram darf ich viele Menschen auf ihrem kreativen Weg begleiten und erleben, wie viel Freude das Nähen bereiten kann.
Warum würden Sie jungen Menschen eine Ausbildung als Schneiderin oder Schneider empfehlen?
Weil es ein Beruf ist, der Kreativität, Präzision und den Kontakt zu Menschen verbindet. Man schafft mit den eigenen Händen etwas Bleibendes und begleitet Menschen oft in ganz besonderen Momenten ihres Lebens. Ob ein perfekt angepasstes Hochzeitskleid, eine handgefertigte Tasche oder das Erfolgserlebnis eines Kursteilnehmers – dieser Beruf schenkt jeden Tag neue Begegnungen und viel Freude.
Für mich persönlich hat sich ein Lebenstraum erfüllt: Ich habe den Beruf der Schneiderin erst mit 50 Jahren erlernt und den Schritt nie bereut. Das zeigt, dass es nie zu spät ist, seiner Leidenschaft zu folgen. Wer mit Herzblut arbeitet, kann in jedem Alter etwas Neues beginnen.
INTERVIEW: BETTINA STICHER

