Berufe ım Fokus: Landwirt Jörg Büchi, Heurüti
15.10.2026 GESELLSCHAFTJörg Büchi ist Landwirt mit eigenem Hof in Heurüti (Elgg). Der Jungbauer und Unternehmer ist vielseitig und engagiert. An seinem Beruf schätzt er besonders die unterschiedlichen Themen und Herausforderungen, bei denen er seine Interessen miteinander verbinden und seine ...
Jörg Büchi ist Landwirt mit eigenem Hof in Heurüti (Elgg). Der Jungbauer und Unternehmer ist vielseitig und engagiert. An seinem Beruf schätzt er besonders die unterschiedlichen Themen und Herausforderungen, bei denen er seine Interessen miteinander verbinden und seine Fähigkeiten einbringen kann. Auf seiner Website gibt er in einem Podcast Einblick in die Schweizer Landwirtschaft.
Herr Büchi, welche Fähigkeiten sollte man mitbringen, wenn man sich für den Beruf Landwirt entscheidet?
Jörg Büchi: Man sollte vielseitig interessiert und flexibel sein, denn kein Tag ist genau planbar. Man muss sich mit Tieren, Pflanzen, Maschinen und Technik auskennen, unternehmerisch denken und auch rechtliche Fragen verstehen. Zudem braucht es Durchhaltevermögen und manchmal eine dicke Haut, etwa wenn man mit Vorurteilen gegenüber der Landwirtschaft konfrontiert wird.
Was sind die Erfolgserlebnisse, die Sie als Landwirt haben?
Erfolgserlebnisse gibt es viele: Wenn eine neue Idee funktioniert, eine gute Ernte eingefahren wird oder ein krankes Tier dank viel Einsatz wieder gesund wird. Besonders schön sind auch Geburten, bei denen am Ende Kuh und Kalb gesund sind. Und natürlich ist es schön zu sehen, wie sich der eigene Betrieb über die Jahre entwickelt.
Was gefällt Ihnen an diesem Beruf besonders? Was fasziniert Sie speziell?
Die Vielseitigkeit. Ich bin selber vielseitig interessiert und würde mich langweilen, wenn ich jeden Tag nur eine einzige Aufgabe machen müsste.
Als Landwirt kann ich sehr viele verschiedene Bereiche miteinander verbinden: Tiere, Pflanzen, Technik, Maschinen, Organisation, unternehmerisches Denken und den Kontakt mit Menschen. Dadurch ist jeder Tag etwas anders und man kann seine unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten wirklich ausleben.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Landwirt aus?
Einen typischen Arbeitstag gibt es eigentlich nicht. Morgens und abends wird gemolken, dazwischen stehen je nach Jahreszeit Tierbetreuung, Feldarbeit, Ernte, Maschinenarbeiten oder Büroarbeit an. Gerade die Flexibilität gefällt mir: Wenn es die Arbeit zulässt, kann man sich auch unter der Woche einmal Zeit freinehmen.
Welche besonderen Herausforderungen erleben Sie bei der täglichen Arbeit?
Eine grosse Herausforderung sind die vielen Zielkonflikte zwischen Ökonomie, Ökologie und gesellschaftlichen Erwartungen, etwa beim Tierwohl. Nicht alle Anforderungen lassen sich gleichzeitig erfüllen. Wenn man eine Anforderung stärker erfüllt, kann das wiederum negative Auswirkungen auf einen anderen Bereich haben. Genau deshalb ist es für die Landwirtschaft so schwierig, allen gesellschaftlichen Ansprüchen gerecht zu werden. Dazu kommen das Wetter, auf das man keinen Einfluss hat, und das hohe Produktionsrisiko.
Und natürlich spielt auch die Bürokratie eine grosse Rolle. Wie für viele andere Unternehmer in der Schweiz wird der administrative Aufwand auch für die Landwirtschaft nicht kleiner. Diese Zeit fehlt am Ende für die eigentliche Arbeit auf dem Betrieb.
Inwiefern spürt man die Modernisierung und Digitalisierung in Ihrem Beruf?
Die Digitalisierung ist in der Landwirtschaft schon sehr weit fortgeschritten. Traktoren können GPS-gesteuert zentimetergenau fahren, Melkroboter arbeiten selbstständig und Sensoren überwachen die Gesundheit der Kühe. Drohnen und künstliche Intelligenz können Unkräuter erkennen und eine gezieltere Bewirtschaftung ermöglichen. Viele Menschen unterschätzen, wie modern die Landwirtschaft heute bereits ist.
Wie hat sich der Beruf des Landwirts in den letzten Jahren sonst noch verändert?
Es gibt immer weniger Landwirte und gleichzeitig weniger landwirtschaftliche Nutzfläche, während die Bevölkerung wächst. Gleichzeitig erwartet die Gesellschaft von der Landwirtschaft neben Lebensmitteln immer mehr gemeinwirtschaftliche Leistungen für Biodiversität, Naturschutz und Landschaft. Die Anforderungen und auch die Bürokratie nehmen zu, während die Produktionskosten steigen, aber die Produzentenpreise stagnieren oder sogar sinken. Deshalb braucht ein Betriebsleiter heute ein sehr breites fachliches und unternehmerisches Wissen.
Wieso sollte man sich für eine Ausbildung/Tätigkeit als Landwirt entscheiden?
Landwirt ist trotz der Herausforderungen nach wie vor einer der schönsten Berufe überhaupt. Ich sage deshalb auch gerne: Der Beruf Landwirt ist ein bisschen das «KV des Handwerks». Man lernt einen sehr vielseitigen Beruf mit einer breiten Grundlage. Auch wenn man keinen eigenen Landwirtschaftsbetrieb zu Hause hat, bietet die Ausbildung viele berufliche Möglichkeiten und gute Zukunftschancen. Arbeitskräfte in der Landwirtschaft sind gesucht, und die erworbenen Fähigkeiten sind auch ausserhalb der Landwirtschaft gefragt. Gleichzeitig kann man seine persönlichen Neigungen und Fähigkeiten in sehr unterschiedlichen Bereichen ausleben.
INTERVIEW: BETTINA STICHER

