Bereichernder Besuch eines Greenhorns im Casino
15.01.2026Momentaufnahmen
Immer mal wieder etwas Neues auszuprobieren, erweitert den Horizont und macht erst noch Spass. Als Fast-Neuling wage ich mich daher in die Höhle der Spielhölle. So viel sei vorweg verraten: Ich komme ungeschoren und bereichert davon.
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Momentaufnahmen
Immer mal wieder etwas Neues auszuprobieren, erweitert den Horizont und macht erst noch Spass. Als Fast-Neuling wage ich mich daher in die Höhle der Spielhölle. So viel sei vorweg verraten: Ich komme ungeschoren und bereichert davon.
In der grossen Industriehalle nahe des Bahnhofs Winterthur, wo früher Lokomotiven gebaut wurden, hat am 12. Dezember 2025 das neue Casino des Unternehmens Swiss Casinos eröffnet. In der ersten Neujahrswoche – absichtlich zu einem Zeitpunkt, an dem es noch ruhig ist – beschliesse ich, es mir einmal anzuschauen und gleich auch mein Glück im Spiel zu versuchen.
Die Grösse der Halle ist beeindruckend. Auf zwei Stockwerken stehen Spielautomaten sowie Tische für Roulette, Black Jack und Poker. Dazu gibt es drei Bars. Ein riesiger Kronleuchter hängt von der Decke, und die Wände sind teilweise mit Fotos aus früheren Zeiten geschmückt, als hier noch ganz anders gearbeitet wurde. Das Industrie- Ambiente ist insgesamt noch deutlich sicht- und spürbar.
Ich setze mich an einen der Roulette-Automaten, informiere mich über dessen Bedienung und investiere 20 Franken. Schnell wird mir klar: Je riskanter der Einsatz, desto höher der mögliche Gewinn und Verlust. Wie bei vielem anderen im Leben auch. Ich spiele deshalb vorsichtig. Statistiken zeigen an, ob in den vorherigen Runden gerade oder ungerade Zahlen, Rot oder Schwarz sowie kleine, mittlere oder hohe Zahlen häufiger «gezogen» wurden.
Nach anfänglichem Ausprobieren halte ich mich an diese Statistik und tippe auf Rot, ungerade Zahlen und die mittleren Zahlen in beiden Reihen. Nach jedem Durchgang drücke ich schliesslich einfach auf «Wiederholen», da mich das Ganze recht schnell langweilt. So kann ich nebenbei gemütlich auf dem Smartphone die Zeitung lesen. Die Einsätze kosten mich jeweils vier Franken, der Gewinn beträgt häufig fünf Franken, dazwischen gibt es auch einmal nichts.
Ich habe genau eine Stunde Zeit, da ich die Parkuhr im nahegelegenen Parkhaus entsprechend eingestellt habe. Pünktlich höre ich auf. Mein Gesamtgewinn: 1 Franken. Stolz lasse ich mir 21 Franken wieder auszahlen. Das Parking kostet vier Franken, an der Bar habe ich in dieser kurzen Zeit nichts konsumiert. Insgesamt habe ich also drei Franken für eine Art «interaktiven Museumsbesuch» und ein wenig Vergnügen ausgegeben.
Mir ist allerdings bewusst, dass dies kein typischer Casinoabend war und ich auch kein durchschnittlicher Gast bin. An diesem Dienstagabend lief (noch) nicht besonders viel, auch nicht an den Bars. Das dürfte sich mit der Zeit ändern und der Ort dann auch eine entsprechend ausgehfreudige Kundschaft anziehen. Mit der mondänen Casino-Welt, die man aus Filmen kennt, mit elegant gekleideten Gästen und regem Gesellschaftsleben am Roulettetisch hat das Casino in Winterthur, wie wohl viele andere heute auch, allerdings wenig gemeinsam. Wohl schon allein deshalb, weil sich ein grosser Teil des Geschehens an Automaten und Bildschirmen abspielt.
Nichtsdestotrotz: Mein kleiner Gewinn hat mich sehr gefreut, und ich verlasse den geschichtsträchtigen Ort in verschiedener Hinsicht bereichert. Und wer weiss – vielleicht versuche ich es ja einmal wieder, dann, wenn mehr Leben in die altehrwürdigen Hallen eingekehrt ist.

