«Benzin im Blut» – eine Leidenschaft fürs Leben
10.10.2026 Aadorf«Benzin im Blut»: Bei Manfred Bossard ist das nicht nur eine Redewendung, sondern eine Lebensgeschichte. Autos, Motorräder, Motorsport und Technik begleiten ihn seit seiner Jugend. Die Leidenschaft ist bis heute ungebrochen.
Schon früh war klar, dass das Herz des ...
«Benzin im Blut»: Bei Manfred Bossard ist das nicht nur eine Redewendung, sondern eine Lebensgeschichte. Autos, Motorräder, Motorsport und Technik begleiten ihn seit seiner Jugend. Die Leidenschaft ist bis heute ungebrochen.
Schon früh war klar, dass das Herz des sportbegeisterten Aadorfers für schnelle Räder und für alles, was einen Motor hat, schlägt. Sein Vater, einst Schweizer Meister im Kart-Sport, war dabei Vorbild und Wegbereiter. Zwischen 21 und 26 Jahren lebte auch Manfred Bossard seine Leidenschaft auf der Rennstrecke aus. Im Kartsport schaffte er es bis an Europaund Weltmeisterschaften.
Ein besonderer Moment war die Weltmeisterschaft 1980. Eine Woche lang kämpften 140 Fahrer um 36 Startplätze für das grosse Finale am Sonntag. Manfred Bossard und ein junger Brasilianer namens Ayrton Senna, der später zur Motorsportlegende wurde, waren unter den Finalisten. Mit viel Kampfgeist fuhr Bossard auf den hervorragenden 21. Platz, Ayrton Senna wurde Vizeweltmeister. Im Jahr 1981 gewann der Thurgauer mit dem in Zug wohnhaften Albert Weber die französische Langstrecken-Meisterschaft im 125 ccm Kart mit 6-Gang Getriebe.
Doch irgendwann musste der Traum vom Rennsport dem Familienbetrieb weichen. Zusammen mit seinen Eltern engagierte sich der eidgenössisch diplomierte Autolackierermeister im familieneigenen Carrosseriebetrieb. Gemeinsam restaurierten Vater und Sohn gegen 60 Old- und Youngtimer. In Mercedes- und vor allem in Porschekreisen mit den 356er Modellen, die von 1948 bis 1964 gebaut wurden, machte sich die Carrosserie Bossard AG einen Namen weit über die Landesgrenzen hinaus. So platzierten sich die restaurierten Porsches bei den «Concours d’Elegance» regelmässig in den vordersten Rängen.
Als Event-Chauffeur unterwegs
Manfred Bossard und sein bordeauxroter Mercedes 300 Adenauer verbindet eine Geschichte, die weit über die Faszination für alte Autos hinausgeht. Vor über 50 Jahren, im Alter von 20 Jahren, erwarb er gemeinsam mit seinem Vater diese Limousine, Baujahr 1952, mit 3-Liter-Reihensechszylindermotor. Gemeinsam restaurierten und pflegten sie das Traumauto und legten damit den Grundstein für eine Leidenschaft, die bis heute anhält. Die Begeisterung für historische Fahrzeuge wurde schon früh durch seinen Vater geprägt. Bereits damals waren die beiden mit dem Mercedes an Hochzeiten und Jubiläen unterwegs.
Nach seiner Pensionierung nahm sich Manfred Bossard erneut intensiv der Restaurierung und Pflege des Mercedes an, so erhielt dieser dann auch den verdienten Veteranenstempel. Denn für Bossard gehört ein solches Fahrzeug nicht einfach in eine Garage. «Er soll erlebt und sinnvoll eingesetzt werden», sagt er. So ist er mit seinem Mercedes heute als Event-Chauffeur im Einsatz. Er fährt Hochzeitspaare, Jubilarinnen und Jubilare oder Menschen, die einen speziellen Anlass mit einer besonderen Fahrt verbinden möchten.
Für Bossard ist das die schönste Art, seinen Oldtimer zu nutzen: Er bleibt nicht nur erhalten, sondern schenkt anderen Menschen unvergessliche Momente. In den schneefreien Monaten, meist von März bis in den Spätherbst, wird der Mercedes regelmässig ausgefahren. Dafür braucht es nicht zwingend ein grosses Ziel. So verbindet der bordeauxrote Mercedes Vergangenheit und Gegenwart: Er erinnert an gemeinsame Stunden mit seinen Eltern Gerda und Manfred sen. und sorgt heute für strahlende Gesichter bei besonderen Anlässen und darf vor allem eines, nämlich auf die Strasse.
Immer in Bewegung
Überhaupt ist Bewegung ein wichtiger Teil im Leben von Manfred Bossard. Mit seinen Motorradfreunden war er dieses Jahr auf Korsika und Sardinien unterwegs. Eine weitere imposante Reise führte von Bosnien-Herzegowina bis nach Montenegro. Nebst dem Motorradfahren findet der aktive Thurgauer Ausgleich beim Biken, Skifahren und Wandern. Wenn es ihn weiter in die Ferne zieht, ist auch sein VW T6 ein treuer Reisebegleiter. Italien, Spanien und England hat er damit bereits erkundet.
So unterschiedlich seine Interessen auch sind, eines verbindet sie alle, die Freude am Leben. Bossard ist ein Genussmensch, liebt das Schöne und Gute und weiss gleichzeitig, dass die Zeit kostbar ist. Deshalb möchte er sie bewusst nutzen, mit Freunden, beim Sport, unterwegs oder zu Hause, im liebevoll gepflegten Garten oder bei einem geselligen Zusammensein. Offenheit und Geselligkeit gehören für ihn genauso zum Leben wie Bewegung und Abenteuer.
Besonders wichtig ist ihm seine Familie. Mit seinen beiden Söhnen verbrachte er unzählige Stunden auf dem Beachvolleyballfeld oder auf Bike Touren und als Höhepunkt vor bald 20 Jahren mehrtägige Bergtouren auf die höchsten Gipfel der Schweiz. Noch heute heisst es: «Papa komm mit!».
Vielleicht nicht mehr auf die Dufourspitze, aber auf noch viele ebenso reizvolle Bergspitzen. Ein unglaublich grosses Geschenk ist sein einjähriger Enkel, den er gerne spontan besucht und der ihm riesige Freude bereitet.
Der Weg ist das Ziel
Vielleicht ist genau das sein Geheimnis. Manfred Bossard ist immer in Bewegung geblieben, ohne dabei den Blick für das Wesentliche zu verlieren. Der Kampfgeist aus den Kartsport-Jahren ist geblieben, ebenso die Begeisterung für Technik und Geschwindigkeit. Doch heute geht es nicht mehr darum, als Erster durchs Ziel zu fahren. Es geht darum, unterwegs zu sein, Erlebnisse zu sammeln und diese mit anderen zu teilen.
Der Mercedes 300 Adenauer steht dafür sinnbildlich. Vor über 50 Jahren gekauft, gemeinsam mit seinen Eltern gepflegt und restauriert, unzählige Male ausgefahren und heute noch immer auf der Strasse unterwegs. Ein Stück Familiengeschichte auf vier Rädern. «Benzin im Blut», den Blick nach vorne gerichtet und die Freude am Leben im Herzen, die Leidenschaft für Zwei- und Vierräder wird den unerschrockenen Thurgauer wohl noch lange begleiten.
CHRISTINA AVANZINI


