AVP – Wer zahlt die Lücke in der Musik? (Aufgaben und Verzichtsplanung TG)
Mitte September war die Vernehmlassung zu den 37 Sparpunkten unseres Kantons abgeschlossen. Es sollten 60 Millionen Franken eingespart werden. Dazu sind Meldungen von 350 Personen, ...
AVP – Wer zahlt die Lücke in der Musik? (Aufgaben und Verzichtsplanung TG)
Mitte September war die Vernehmlassung zu den 37 Sparpunkten unseres Kantons abgeschlossen. Es sollten 60 Millionen Franken eingespart werden. Dazu sind Meldungen von 350 Personen, Verbänden oder Gruppen eingegangen. Ich betrachte das als lebhafte Reaktion.
Natürlich will niemand verzichten oder wirklich sparen, und schon gar nicht sich bei erworbenen Rechten einschränken. Folglich handeln die Vorschläge meist von Umlagerungen von Kosten, welche vom Kanton an die Gemeinden, Schulgemeinden oder eben Musikschulen verschoben werden sollen.
Die Musikschule Aadorf läuft im Budget 2026 mit einem vorgesehenen Verlust von 18’401 Franken. Diesen übernimmt die Volkschulgemeinde in Kulanz. Vielen Dank. Die totalen Ausgaben der Musikschule sind 647’101 Franken, dem gegenüber stehen die Elternbeiträge 206’000 Franken, der Transfer Musikalische Grundschule 90’700 Franken und die Kantonsbeiträge 332’000 Franken. Diese sollen nun gemäss AVP gekürzt werden um die Hälfte. (Sparpotenzial Kanton TG 3,2 Millionen Franken, Zunahme Aufwandüberschuss Aadorf 111’000 Franken.)
Und wer zahlt die Lücke?
Wenn es nicht die Schule und damit die Allgemeinheit ist, werden es die Eltern der Musikschule sein und damit werden die Kinder gestraft. Um ein ausgeglichenes Budget 2027 zu erreichen, hat die Musikschulkommission bereits eine Schulgelderhöhung von ca. 20 Prozent beschlossen. Sollte nun obiger Betrag aus der AVP noch dazukommen, gehen die Tarife gleich nochmals massiv hoch.
Wir erwarten dann viele Abmeldungen, weil der Musikunterricht zu teuer wird. Weniger Kinder kommen in den Genuss der musikalischen Ausbildung, werden emotional, sozial, kognitiv und motorisch weniger gefördert und müssen das geliebte Hobby aufgeben. Die Musiklehrpersonen verlieren Pensum und Job. Welche Kultur, Gemeinschaft, Festlichkeit und Tradition wird das in Zukunft geben?
Eine Antwort auf die vielen Fragen bietet ein Konzert am 21. November 2026 um 10 Uhr in der Aula Süd im Löhracker: der neue Flügel wird eingeweiht und Jugendliche wie Lehrpersonen zeigen ihr bestes Können auf dem funkelnden Instrument. Geniessen wir die Musik, solange wir sie uns noch leisten können.
ASTRID KELLER, SCHUL- UND MUSIKSCHULPRÄSIDENTIN