Auf Gemeindeebene politisieren heisst aktiv gestalten
15.01.2026 ElggKurz vor Jahresende blickte Elggs Gemeindepräsidentin Ruth Büchi-Vögeli im Gespräch mit der «Elgger/Aadorfer Zeitung» auf aktuelle Projekte, kommende Herausforderungen und ihre persönliche Motivation – zwischen ...
Kurz vor Jahresende blickte Elggs Gemeindepräsidentin Ruth Büchi-Vögeli im Gespräch mit der «Elgger/Aadorfer Zeitung» auf aktuelle Projekte, kommende Herausforderungen und ihre persönliche Motivation – zwischen Gemeindehaus, Kantonsrat und Pferdestall.
Die Türe zum kleinen Büro der Gemeindepräsidentin stand offen. Einladend, persönlich – genau wie das Gespräch, das sich daraufhin entwickelte, als Ruth Büchi-Vögeli den Fragen der «Elgger/Aadorfer Zeitung» zu den Herausforderungen und Plänen der Gemeinde Rede und Antwort stand. Der Termin war in den letzten Arbeitstagen des Jahres angesetzt, im Gemeindehaus war es bereits ziemlich still geworden, vom üblichen Alltagsgeschäft war an diesem Morgen nichts zu hören.
Wie geht es Ihnen?
Mir geht es gut, danke der Nachfrage. Aber ich muss zugeben – es ist Zeit, sind bald Ferien. Allerdings steht in der Agenda die Neujahrsrede, die ich noch vorbereiten muss.
(Anmerkung der Redaktion: Zum Zeitpunkt der Publikation ist auch diese Rede bereits wieder Vergangenheit.)
Wie bringen Sie ihre vielen Verpflichtungen als Gemeindepräsidentin, Kantonsrätin und Landwirtin unter einen Hut – 2022 haben Sie noch Zeit gefunden, ab und zu in den Stall zu gehen, zudem hatten Sie damals zwei Pferde?
Ja, daran hat sich seit damals nicht viel verändert. Die Pferde versorge ich nach wie vor zweimal täglich, ausser, wenn ich einen Abendtermin wahrnehmen muss. Mit der Pflege ist es aber nicht getan, sie möchten von mir auch bewegt werden. Für mich der perfekte Ausgleich: Wenn ich reite, habe ich nie ein Handy dabei, dann geniesse ich die Ruhe. Im Stall bin ich nur noch selten anzutreffen; mittlerweile führt unser Sohn den Betrieb.
Bald drei Kantonsratsmitglieder aus Elgg
Bald reisen Sie zu dritt aus Elgg in den Kantonsrat – ist es ein Vorteil, im Kanton so stark vertreten zu sein?
Bei gewissen Geschäften kann das durchaus ein Vorteil sein. Aktuelles Beispiel sind die Radwege, wo wir vielleicht etwas mehr Gewicht reinbringen können. Aber grundsätzlich hat es keinen relevanten Einfluss.
Was stehen für grosse Projekte im kommenden Jahr an?
Das erste sind die Wahlen im März, danach folgt die Dreifachturnhalle mit dem Spatenstich am 1. Juni. Beides beschäftigt uns bereits heute, mit der Turnhalle werden wir uns auch danach noch einige Zeit befassen. Im Weiteren steht auf Gemeindeebene der Erweiterungsbau des Forsthofs an; da rechnen wir mit einer Urnenabstimmung.
Welche Visionen haben Sie für Elgg für die nächsten fünf Jahre?
Vor lauter konkreten Projekten fehlt uns manchmal fast die Zeit für Visionen. Auf die neue Legislaturperiode hin werden wir uns aber sicher mehr mit Visionen befassen. Bereits in Arbeit ist die Umsetzung des neuen Leitbilds mit dem integrierten Gesamt-Verkehrskonzept. Im Zuge dessen werden wir die Parkierungssituation anschauen und allenfalls neue Gestaltungsmöglichkeiten für die Strassen ausarbeiten. Konkret wird dies in vier oder fünf Jahren, wenn der Kanton die Sanierung in Angriff nimmt.
Was sind aktuell die grössten Herausforderungen für Elgg, und wo sehen Sie Chancen?
Da sind wir wieder bei den Parkplätzen, das ist schon ein Problem. Zudem möchten wir die breite Angebotspalette im Detailhandel beibehalten, eine grosse Herausforderung. Ein leer gewordenes Ladenlokal wieder zu besetzen, wird je länger, je schwieriger. Die Leute haben sich angewöhnt, in Einkaufszentren oder online einzukaufen. Umso wichtiger sind Parkplätze vor den Geschäften – zu Fuss mag kaum jemand mehr gehen.
Neuzuzüger einbinden, Gewerbe stärken
Elgg wächst – der Äntenschnabel mit 140 neuen Wohnungen ist teilweise bezogen, der Rest bald fertig. Wie werden aus den Bewohnern Elggerinnen und Elgger?
Wir schreiben alle persönlich an. Darin machen wir auf unser lebendiges Vereinsleben aufmerksam – ebenso auf die freiwillige Feuerwehr. Ausserdem sind alle zum Neuzuzüger-Anlass eingeladen. Dort stellen sich verschiedene Institutionen und Vereine vor. Aber es ist schon so, am Ende können wir nur hoffen, dass sich jemand im Dorf engagiert.
Was unternimmt die Behörde, damit aus Elgg keine Schlafgemeinde wird?
Wie oben schon gesagt – mehr können wir wahrscheinlich nicht machen. Wenn jemand nicht will, können wir niemanden zum Mitwirken zwingen. Zieht jemand in den «Flecken», gestaltet sich eine Integration sicher leichter als vom Äntenschnabel oder Neu-Elgg aus. Gerade kürzlich hat mir eine eingebürgerte Frau aus Deutschland erzählt, wie gut sie sich eingelebt hat. Sie macht in einem Musikverein mit und zeigt Interesse an einer Teilnahme in einem Chor. Animiert durch eine Elggerin, die sie mitgenommen hat – so muss es doch laufen!
Vor drei Jahren haben Sie dieser Zeitung gesagt, Sie möchten den Kontakt zum lokalen Gewerbe verstärken. Ist Ihnen das gelungen?
Ich glaube schon. Mit dem Gewerbeund Parteienabend haben wir ein gutes Instrument geschaffen, der im November zum dritten Mal in dieser Form durchgeführt wurde. Dazu haben wir im Handwerker- und Gewerbeverein (HGV) angeregt, dass bei externen Besuchen auch gerne das zuständige Gemeinderatsmitglied eingeladen werden darf. Der gegenseitige Austausch könnte noch vertieft werden, aber ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Wichtig ist mir, dass ich für Anliegen aus dem Gewerbe immer ein offenes Ohr habe.
Lieber weniger Gesetze dafür mehr Menschenverstand
Wenn Sie ein Gesetz erlassen könnten, das mit sofortiger Wirkung in Kraft tritt, was wäre es?
(Sie schmunzelt und muss nicht lange nachdenken.) Ich würde keine neuen Gesetze einführen, ich würde im Gegenteil diverse abschaffen. Mein Ziel ist weniger Bürokratie. Bei einigen Vorschriften fehlt mir der gesunde Menschenverstand.
Was motiviert Sie persönlich jeden Tag an diesem Amt?
Ich finde mein Amt sehr spannend und vielseitig. Auf Gemeindeebene spürt und sieht man, was passiert – ich bin überall nahe dran. Auf dieser Stufe zu politisieren heisst, direkt etwas bewirken zu können. Das sieht auf Kantonsebene schon wieder ganz anders aus. Dort ist bereits alles viel schwerfälliger. Hier diskutieren wir eine Idee und wenn sie uns gefällt, wird sie meistens auch umgesetzt.
Mit wem würden Sie gerne einmal Abendessen?
Puh – schwierige Frage. Ich halte nichts von sogenannten «Promis». Dann würde ich lieber einfach mit jemandem essen gehen, dem ich zufällig auf der Strasse begegne. Oder ich treffe mich mit einem betagten Menschen – wie kürzlich, als ich an einem 90. Geburtstag war. Das ist spannend! So jemand hat enorm viel zu erzählen und zu sagen.
Am Schluss des Gesprächs erwähnt Ruth Büchi-Vögeli noch die gestiegene Erwartungshaltung gegenüber den Behörden. Es gäbe einzelne Exponenten, die den halben Apparat auf Trab hielten – das habe es allerdings schon immer gegeben. Seit Corona seien jedoch viele merklich dünnhäutiger geworden.
Vielleicht ein guter Vorsatz für das eben angefangene Jahr? Ein dickeres Fell, einmal mehr den Fünfer gerade sein lassen? Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» bedankt sich bei der Gemeindepräsidentin für das spannende Gespräch.
MARIANNE BURGENER


