Auf dem Waldlehrpfad einen Blick in die Zukunft wagen
10.09.2026 ElggDer Waldumgang von Forst Elgg führte am Samstag entlang des modernisierten Waldlehrpfades. Die Teilnehmenden erfuhren dabei anschaulich, wie der Wald fit gemacht wird für die klimatischen Veränderungen.
Rund 40 Personen nahmen am Samstag am Waldumgang von Forst Elgg teil. ...
Der Waldumgang von Forst Elgg führte am Samstag entlang des modernisierten Waldlehrpfades. Die Teilnehmenden erfuhren dabei anschaulich, wie der Wald fit gemacht wird für die klimatischen Veränderungen.
Rund 40 Personen nahmen am Samstag am Waldumgang von Forst Elgg teil. Betriebsleiter Chrigel Schaerer und Forstwart Mathias Hollenstein, der sich in der Ausbildung zum Förster befindet und die Führung vorbereitet hatte, begleiteten die Gruppe. Im Zentrum stand der erneuerte Waldlehrpfad, der auf weitgehend unveränderter Route durch den Wald oberhalb von Neuelgg führt.
Der Lehrpfad besteht seit 1979, wurde im Jahr 2002 erneuert und dieses Jahr modernisiert. Rund 80 Prozent der bisher bezeichneten Baum- und Straucharten wurden übernommen und neu beschildert. Zuvor habe man vor allem einheimische Arten gezeigt. Neu seien auch gebietsfremde Arten aufgenommen worden, zum Beispiel die Atlaszeder, der Mammutbaum, die Roteiche, die Blumenesche, der Baumhasel oder der Tulpenbaum, erklärte Hollenstein.
Insgesamt sind 67 verschiedene Baumund Straucharten beschildert. Fünf zusätzliche Informationsposten widmen sich übergeordneten Themen wie den Funktionen des Waldes, der Magerwiese oder der Eiche als Lebensraum. Über einen QR-Code gelangt man anstelle der früheren Informationstafeln zur Waldlehrpfad-WebApp von Forst Elgg. Vertiefende Informationen sind über einen Link auf der Plattform iForest verfügbar.
Die neue Form sei vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, biete aber wesentlich mehr Informationen, sagte Chrigel Schaerer.
Naturschützerisch wertvolle Standorte
Dass Biodiversität für Forst Elgg mehr als nur Bäume umfasst, erklärte Schaerer im Gebiet Koloser, wo eine der wertvollsten Magerwiesen der Gemeinde gedeiht. Hier findet sich mit über 30 Arten die grösste Schmetterlingsvielfalt der Gemeinde. Die Wiese sei zudem Heimat für 62 Wildbienenarten. Eine Trockenmauer und ein teilweise abgestorbener Baum bieten mit dem Totholz Lebensraum für Eidechsen, heimische Hornissen sowie weitere Insekten und Kleintiere. «In Elgg gibt es sehr viele naturschützerisch wertvolle Standorte.» Forst Elgg habe sich darauf spezialisiert, diese zu pflegen, darunter auch Ried- und lichte Waldflächen, so der Betriebsleiter.
Klimafitte Baumarten
Der Wald ist künftig mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Dazu gehören steigende Durchschnittstemperaturen, längere und häufigere Hitze- und Trockenperioden, unregelmässige Niederschläge, mildere Winter sowie eine Zunahme von Extremereignissen wie Sturm, Starkregen und mögliche Waldbrände, wie Mathias Hollenstein bei einem weiteren Halt erklärte. Dadurch würden die Bäume geschwächt und anfälliger für Schädlinge und Krankheiten. Langfristig sei deshalb mit einer Veränderung der natürlichen Baumartenzusammensetzung zu rechnen.
Bei Trockenstress verdunsten die Bäume unter anderem weniger Wasser und stellen die Photosynthese ein. Die Blätter können sich verfärben und frühzeitig abgeworfen werden. «Das ist eine natürliche Schutzreaktion des Baumes: Er reduziert seine Blattmasse, um Wasser und Nährstoffe zu sparen.» Bei noch länger anhaltender Trockenheit würden Feinwurzeln und Baumwurzeln absterben, zudem könne es zu Astabbrüchen kommen. Ob sich die Bäume erholen, werde man sehen müssen. «Ein einzelnes Trockenjahr kann vielfach noch ausgeglichen werden. Problematisch wird es bei mehreren Trockenjahren hintereinander», so Hollenstein.
Klimafit für bestimmten Standort und Klima
Bei einem weiteren Stopp erklärte der angehende Förster, was unter klimafitten Baumarten zu verstehen ist. Klimafit bedeute nicht automatisch, dass ein Baum trockenresistent sei. Neben Hitze und Trockenheit seien weitere Faktoren massgebend, beispielsweise der Wasserhaushalt des Bodens, die Frosthöhenlage oder Schadorganismen der jeweiligen Baumart. Zusammengefasst könne man sagen: «Eine Baumart ist klimafit für einen bestimmten Standort und ein bestimmtes zukünftiges Klima.»
Für Fichte und Buche beispielsweise werde es im Mittelland zunehmend kritisch. In höheren Lagen seien diese Arten jedoch weiterhin wertvoll. Zu den derzeit wichtigen klimafitten einheimischen Baumarten zählen gemäss Hollenstein verschiedene Eichenarten, Winterlinde, Feldahorn, Spitzahorn, Elsbeere, Speierling, Mehlbeere und Kirsche sowie, je nach Standort, auch die Weisstanne. Als mögliche zukünftige nicht einheimische Baumarten nannte er unter anderen Atlaszeder, Douglasie, Baumhasel und Zerreiche sowie fünf weitere südeuropäische Arten. Man setze künftig auf eine grössere Vielfalt an Baumarten, um das Risiko zu verteilen, erklärte Mathias Hollenstein.
Gemütlicher Abschluss im Wald
Nach den zahlreichen Informationen und Einblicken endete der Waldumgang auf dem Grillplatz bei der ehemaligen Sandhöhle. Bei einem kleinen Imbiss blieb Zeit, einzelne Themen im Gespräch zu vertiefen und an einem Wettbewerb teilzunehmen. Gemeinderätin Stephanie Hugentobler, Ressort Forst, Freizeit und Natur, richtete einige Worte an die Anwesenden. Zudem stellte sich der neue Gemeinderat Thomas Heierli, zuständig für Werke und Tiefbau, kurz vor.
Auch die traditionelle Herausforderung für jene Besucherinnen und Besucher, die zum ersten Mal an einem Elgger Waldumgang teilnahmen, durfte nicht fehlen. Wie üblich trugen die Neulinge gemeinsam ein Lied vor.
BETTINA STICHER



