Ankommen, mitmachen – und dazugehören
03.03.2026 ElggElgg entwickelt sich weiter. In Quartieren wie Ritschberg, Florahof oder Äntenschnabel entsteht neuer Wohnraum, und jedes Jahr wählen zusätzliche Menschen das Dorf ganz bewusst als Lebensmittelpunkt. Die attraktive Lage, die Nähe zur Natur, das vielfältige Vereinsleben ...
Elgg entwickelt sich weiter. In Quartieren wie Ritschberg, Florahof oder Äntenschnabel entsteht neuer Wohnraum, und jedes Jahr wählen zusätzliche Menschen das Dorf ganz bewusst als Lebensmittelpunkt. Die attraktive Lage, die Nähe zur Natur, das vielfältige Vereinsleben und der historische Dorfkern verleihen der Gemeinde ihren besonderen Reiz.
Mit dem Wachstum stellt sich jedoch eine zentrale Frage: Wie wird aus einem Zuzug ein echtes Ankommen? Wie finden Alteingesessene und Neuzugezogene zueinander? Und was braucht es, damit aus Einträgen im Einwohnerregister engagierte Mitgestaltende des Dorflebens werden?
Diesen Fragen widmete sich das erste Dorfpalaver des Jahres am Donnerstagabend im Kultursaal Bärenhof.
Richi Staub eröffnete die Gesprächsrunde im Namen des Dorfvereins und begrüsste die rund 16 Anwesenden. Die Moderation übernahm wie immer Barbara Fehr-Hadorn, Co-Präsidentin SP Elgg-Hagenbuch, ein bekanntes Gesicht im Dorf – selbst einst zugezogen. Bereits zu Beginn zeigte sich: Die Mehrheit der Teilnehmenden ist nicht in Elgg geboren. Einige leben seit Jahrzehnten hier, andere erst seit kurzer Zeit.
Richi Staub ist kein «Ur-Elgger». Durch sein Engagement im Turnverein konnte er viele Kontakte knüpfen. Seine Frage in die Runde lautete:«Habt ihr euch jemals so gefühlt, als würdet ihr nicht von hier sein?»
Barbara Fehr bat um Handzeichen: Wer ist neu zugezogen? Viele Hände gingen hoch. Wer gehört zu den «Urgesteinen»? Einige wenige meldeten sich. Damit war die Grundlage für eine offene Diskussion gelegt.
«Du bist keiner von uns»
Ueli Wälchli erzählte von seinem Start vor 32 Jahren. Mit einer kleinen Druckerei in der Obermühle kam er nach Elgg. Anschluss habe er zunächst kaum gefunden, teilweise Widerstand gespürt – das Gefühl, «keiner von uns» zu sein. Erst als er sich aktiv im Turnverein engagierte und bei Anlässen des Gewerbevereins mithalf, änderte sich die Wahrnehmung. Heute, nach über drei Jahrzehnten, fühlt er sich vollständig zugehörig.
Gemeinderat Andreas Kron lebt seit 27 Jahren in Elgg. Über ein Wohnungsinserat wurde er auf die Gemeinde aufmerksam und fühlte sich von Anfang an wohl. Später engagierte er sich kirchlich und in der Sozialbehörde. «Ich habe hier einen positiven Geist erlebt», sagte er.
Auch Andreas Kron, der vor 27 Jahren aus Zürich zugezogen ist, berichtete, Elgg sei ursprünglich nicht auf seinem Radar gewesen. Doch der Wunsch, aufs Land zu ziehen, habe ihn und seine Frau hierhergeführt. «Ich habe den Ärmel hineingezogen», sagte er schmunzelnd – und engagierte sich bald in verschiedenen Vereinen.
Vom ersten «Grüezi» bis zur neuen Heimat
Eine Teilnehmerin erzählte, dass sie seit zwei Jahren im Dorf lebt. Sie zog wegen ihrer Tochter in die Region. Gleich zu Beginn erlebte sie grosse Hilfsbereitschaft: Nachbarn halfen, Kontakte entstanden, man grüsste sich auf der Strasse. «Ich betrachte Elgg heute als meine Heimat», sagte sie – obwohl ihr Weg sie von Kalifornien hierhergeführt hatte.
Eine andere Besucherin kennt Elgg seit ihrer Kindheit. Vor vier Jahren zog sie zurück, nun mit Partner. Die Verbindung sei nie ganz abgerissen – auch dank Vereinen wie Äschli, Eintracht oder anderen Institutionen. «Man grüsst sich, der Dorfkern ist wunderschön – ich freue mich, wieder hier zu sein.»
Integration – Holschuld oder Bringschuld?
Mehrfach wurde betont: Wer sich einbringt, findet Anschluss. Elgg verfügt über eine aussergewöhnlich breite Vereinslandschaft mit rund 60 Vereinen – vom Sport über Kultur bis zu sozialen Organisationen. Gleichzeitig wurde eingeräumt, dass nicht alle Menschen Vereinstypen sind. Kontakte entstehen auch im Quartier, beim Einkaufen oder an Dorfanlässen wie Markt, Gartencafé oder Mitsommerbar.
Richi Staub sprach offen an, dass er gelegentlich höre, Neuzuzüger hätten Mühe, Anschluss zu finden. Eine Teilnehmerin entgegnete: «Wenn man in sich gekehrt bleibt, kann man keine Kontakte knüpfen.» Eine andere meinte, Integration sei typenabhängig – doch wer wolle, habe hier viele Möglichkeiten.
Der Dorfverein biete bewusst niederschwellige Engagements an. Man müsse kein fixes Amt übernehmen; Helferinnen und Helfer seien willkommen – ohne langfristige Verpflichtung. «Genügend Möglichkeiten für Neuzuzüger sind da», lautete der Tenor.
Offizieller Neuzuzügeranlass
Thematisiert wurde auch der Neuzuzügeranlass der Gemeinde. Vertreterinnen der Primarschule, darunter Vizepräsidentin Madeleine Melliger und Gemeinderätin Stephanie Hugentobler, betonten die Bedeutung dieses Treffens. Neben einem Dorfrundgang werden Schule, Entsorgungsstelle, Werkgebäude und Vereine vorgestellt. Ein kleiner Imbiss bietet Gelegenheit zum Austausch. Der Anlass findet jeweils am letzten Samstag im Juni statt – der nächste am 27. Juni 2026.
Gerade für Familien sei dieser Überblick wertvoll, wurde aus der Runde bestätigt. Kontakte entstünden oft über Kinder und Schule.
Ebenfalls positiv erwähnt wurde die «Elgger/Aadorfer Zeitung». Sie sei für viele eine wichtige Informationsquelle und trage zur Identifikation mit dem Dorf bei. Die Zeitung werde gerne gelesen und helfe gerade auch Neuzuzügerinnen und Neuzuzügern, am lokalen Geschehen teilzuhaben, ergänzte eine Teilnehmerin.
Stolz auf Geschichte und Qualität
Ein weiterer Schwerpunkt war der Stolz auf das historische Landstedtli. Der Dorfkern mit seinen Riegelhäusern, das Heimatmuseum und die Gastronomie machen Elgg besonders. «Elgg hat eine gewachsene Kultur über Jahrhunderte hinweg», wurde betont. Auch der Gemeindesinn sei stark ausgeprägt.
David Rhyner verwies auf die rund 5157 Einwohnerinnen und Einwohner und die beeindruckende Vereinsdichte. Heimatmuseum und Heimatschutz seien wichtige Institutionen, die Unterstützung verdienten. Ebenso wurden die Restaurants als Orte der Begegnung erwähnt – Orte, an denen man auch nach einem Vereinsabend noch einkehren könne. Richi Staub betonte die Bedeutung all dieser Institutionen sowie der Genossenschaft WAK, die ebenfalls einen wichtigen Beitrag für die Bevölkerung leiste.
Gleichzeitig wurden Geschichte zwischen dem «Alt-Elgg» und Quartieren wie «Neuelgg» oder neueren Siedlungen erzählt. Wachstum bringe Veränderungen und verlange Offenheit von beiden Seiten.
Dazugehören ist möglich
Zum Schluss zog Barbara Fehr ein positives Fazit. Ziel müsse es sein, auch jene abzuholen, denen Integration schwerfalle. Die Diskussion habe jedoch deutlich gemacht: Wer in Elgg aktiv sein möchte, findet Wege.
Richi Staub dankte für die angeregte Debatte. Das Dorfpalaver zeige, dass man sich in Elgg sehr wohl und willkommen fühlen könne – wenn man aufeinander zugehe. Viermal pro Jahr organisiert der Dorfverein solche Gesprächsrunden zu lokalen Themen. Hinzu kommen Anlässe wie Spielabende, die Dorfputzete oder die Mitsommerbar.
Elgg ist im Wandel – doch mit Dialog und Engagement bleibt das Ziel klar: aus einem Wohnort eine Heimat zu machen.
EMANUELA MANZARI



