Die Aadorfer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger entscheiden an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 29. April über eine Anpassung der Wassergebühren. Hintergrund ist ein Referendum gegen die ursprünglich vom Gemeinderat beschlossene deutliche Erhöhung.
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Die Aadorfer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger entscheiden an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 29. April über eine Anpassung der Wassergebühren. Hintergrund ist ein Referendum gegen die ursprünglich vom Gemeinderat beschlossene deutliche Erhöhung.
Der Gemeinderat hatte im Juli 2025 beschlossen, die jährliche Grundgebühr beim Wasser von 260 auf 415 Franken sowie die Mengengebühr von 1.20 auf 2.40 Franken pro Kubikmeter zu verdoppeln.
Gegen diesen Entscheid wurde jedoch erfolgreich das Referendum ergriffen, weshalb nun die Gemeindeversammlung über die Vorlage befinden musss.
Investitionen und Schulden
Grund für die geplante Erhöhung sind steigende Investitionen in die Wasserinfrastruktur. In den kommenden Jahren stehen in der Gemeinde zahlreiche Leitungs- und Sanierungsprojekte an. Allein zwischen 2026 und 2029 rechnet das Elektrizitäts- und Wasserwerk Aadorf mit Investitionen von insgesamt über 8,4 Millionen Franken in die Wasserversorgung. Dazu gehören unter anderem Sanierungen von Wasserleitungen, der Ersatz des Tiefenbrunnens im Aatal sowie Pumpenleitungen und Netzanschlüsse.
Gemäss den Vorgaben des Schweizerischen Fachverbands für Wasser, Gas und Wärme müssen Wassergebühren kostendeckend ausgestaltet sein. Gewinne dürfen dabei nicht erzielt werden, gleichzeitig darf die Wasserversorgung nicht quersubventioniert werden.
Aktuell weist die Sparte Wasser in Aadorf eine Verschuldung von rund sechs Millionen Franken auf. Nach Einschätzung des Gemeinderats und der Betriebskommission besteht Handlungsbedarf, damit diese Schulden nicht weiter ansteigen. Der Selbstfinanzierungsgrad lag in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich bei lediglich 27 Prozent und damit deutlich unter dem empfohlenen Wert.
Kompromiss nach Gesprächen mit Parteien
Nach Gesprächen mit Ortsparteien und dem Referendumskomitee Anfang Januar 2026 wurde ein Kompromiss erarbeitet. Statt der ursprünglich geplanten massiven Erhöhung schlägt der Gemeinderat nun eine moderatere Anpassung vor.
Die Grundgebühr soll per 1. Januar 2027 von 260 auf 300 Franken pro Jahr steigen. Dies entspricht einer Erhöhung von rund 15 Prozent. Die Mengengebühr soll von 1.20 auf 1.80 Franken pro Kubikmeter erhöht werden, was einem Anstieg von 50 Prozent entspricht.
Mit dieser Lösung würde die Verschuldung der Wasserversorgung bis 2030 zwar weiterhin ansteigen, allerdings nur auf rund 7,7 Millionen Franken. Damit bliebe sie unter der als kritisch angesehenen Grenze von zehn Millionen Franken.
Zwei Abstimmungsfragen
Die Stimmberechtigten werden an der Gemeindeversammlung separat über beide Gebührenbestandteile abstimmen. Einerseits geht es um die Anpassung der Grundgebühr, andererseits um die Erhöhung der Mengengebühr.
Gemeinderat, Ortsparteien und Referendumskomitee halten fest, dass die neue Regelung die finanzielle Situation der Wasserversorgung stabilisieren soll, ohne die Bevölkerung übermässig zu belasten. Gleichzeitig sei aber klar, dass künftig erneut über die Tarife diskutiert werden müsse, falls sich die finanzielle Lage weiter verschlechtere.
BETTINA STICHER/PD