25 Jahre Alfred-Huggenberger-Gesellschaft
15.10.2026 RegionAm letzten Samstag feierte die Alfred-Huggenberger-Gesellschaft in kleinem Rahmen ihr 25-jähriges Bestehen. Der Präsident Ernst Bühler aus Hagenbuch hielt Rückschau auf die Höhepunkte im Vereinsleben und würdigte das Erreichte.
Der Isliker Unternehmer Hans ...
Am letzten Samstag feierte die Alfred-Huggenberger-Gesellschaft in kleinem Rahmen ihr 25-jähriges Bestehen. Der Präsident Ernst Bühler aus Hagenbuch hielt Rückschau auf die Höhepunkte im Vereinsleben und würdigte das Erreichte.
Der Isliker Unternehmer Hans Jossi war im Jahr 2000 die treibende Kraft zur Gründung der Alfred-Huggenberger-Gesellschaft. Seine Intensionen waren, das geistige Erbe des Dichters Alfred Huggenberger und sein literarisches Werk lebendig zu halten. Bald setzten rege Aktivitäten ein wie Lesungen, eine Gedichte-CD, 2004 bis 2006 Schüler-Lesewettbewerbe, ein Wanderweg von Frauenfeld nach Islikon und vieles mehr.
Dieser Schwung verebbte im Jahr 2006, als ein SBB ICN-Zug auf den Namen Alfred Huggenberger getauft werden sollte. Zwei kritische Zeitungsartikel zur ungeklärten Beziehung Huggenbergers zum deutschen Nationalsozialismus hallen bis heute nach. Im Auftrag des Kantons Thurgau wurde eine wissenschaftliche Werkbiografie mit offenem Ausgang zu diesem Thema verfasst mit dem Titel «Huggenberger. Die Karriere eines Schriftstellers»; Die Buchvernissage war im Jahr 2012.
Heute gut 60 Mitglieder
Zum 50. Todestag von Alfred Huggenberger im Jahr 2010 erschien eine Anthologie mit Gedichten, Erzählungen und Schwänken. Feste Bestandteile seit der Gründung sind der Verkauf von Büchern Alfred Huggenbergers, die Teilnahme am Greuterhofmarkt oder das monatliche Gedicht in der Frauenfelder-Woche. Im Jubiläumsjahr wurde die Bücher-Lesekiste beim Huggenberger-Denkmal oberhalb Bewangen eingerichtet, und beim Forstschöpfli oberhalb Frauenfeld-Aumühle fand erstmals eine gut besuchte Lesung mitten im Wald statt. Heute zählt die Huggenberger-Gesellschaft gut 60 Mitglieder.
Wer das zeitkritische Gedichtbändchen «Stachelbeeri» von 1927 liest, stellt fest, wie zeitlos die Kritik an der Zeit und die Zeit an sich ist, und dass das Ziel der Huggenberger-Gesellschaft richtig ist, das geistige und literarische Erbe dieses zu seiner Zeit meistgelesenen Schriftstellers auch künftig lebendig zu halten.
Biografie von Alfred Huggenberger
Alfred Huggenberger wurde am 26. Dezember 1867 in Bewangen, Gemeinde Bertschikon (ZH), geboren. Er starb am 14. Februar 1960 als Ehrenbürger in Gerlikon (TG). Sein Grab lehnt sich an die Südwand der evangelischen Kirche Gachnang.
Alfred wurde als viertes von sechs Kindern in kleinbäuerliche Verhältnisse geboren. Sein Vater arbeitete zusätzlich in der Tuchfärberei Greuter in Kefikon. Der Besuch der Sekundarschule blieb ihm verwehrt. Gleich seinem Vater war ihm alles, was die Erde hervorbringt, heiliges Gut. Aus eigener Kraft verwandelte der Sohn Hektaren von «Streueland» in fruchtbaren Ackerboden. Trotz all dieser Arbeit erwachte in ihm ein innerer Drang zu schreiben. Seine ersten schriftstellerischen Versuche erbrachten allerdings nur mässige Erfolge.
1907 verschaffte ihm der Gedichtband «Hinterm Pflug» den dichterischen Durchbruch. Er wurde zu einem der meistgelesenen Heimatschriftstellern seiner Zeit. Schweren Herzens gab er in der Folge den inzwischen auf 25 Hektaren angewachsenen Hof in Bewangen auf. Die Familie bezog das 1909 neu erbaute, schmucke Höflein in Gerlikon TG. Dort hoffte er für sein dichterisches Schaffen die erforderliche Zeit zu finden. Auch hier im Thurgau erfüllte Huggenberger die Aufgaben eines Gemeinderates. Von 1920 bis 1932 war er zudem Mitglied des Thurgauer Grossen Rates.
Durch Hermann Hesse, Ludwig Thoma und Josef Hofmiller gefördert, erschienen seine Erzählungen und Gedichte in verschiedenen Zeitungen wie «März» und «Simplicissimus». Der erwähnte schriftdeutsche Gedichtband «Hinterm Pflug» öffnete ihm den Zugang zum gesamten deutschen Sprachraum. Damit verband sich die Möglichkeit, in grossen deutschen Zeitschriften zu publizieren. Seine Romane und Erzählungen waren wirklichkeitsnah dem bäuerlichen Alltag entnommen. Huggenberger schrieb in einer seltenen sprachlichen Einfachheit, sowie sie in den Romanen «Die Bauern von Steig» 1913 oder «Die Frauen von Siebenacker» 1925 zum Ausdruck kam. Im letzteren beschrieb er seine Frauengestalten besonders eindrücklich.
Er versuchte Form und Gedanken einem Volkslied ähnlich aufzuzeichnen. Deshalb erstaunt es nicht, dass so viele seiner Gedichte vertont wurden. Seine erzählerischen Werke enthalten bleibende Wahrheiten und zeigen uns prägnant das Landleben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Manche seiner Gedichte sind von zeitloser Schönheit. Seine zahlreichen Schwänke wurden früher sehr häufig an Vereinsabenden gespielt.
Leben und Werk Huggenbergers zeigen seinen optimistischen und weltoffenen Charakter. Neidern begegnete er mit seinem treffenden Humor. Unkraut liess er in seinem «Sommergarten» nicht gedeihen.
ALFRED-HUGGENBERGER-GESELLSCHAFT ERNST BÜHLER, PRÄSIDENT, HAGENBUCH
Quelle Biographie: Entnommen von Hans Menzi, ehemaliger Vizepräsident der Alfred-Huggenberger-Gesellschaft, leicht ergänzt durch den heutigen Präsidenten Ernst Bühler
Aufwertung Alfred Huggenberger-Wanderweg
Vom Bahnhof Frauenfeld über Gerlikon, Bewangen und Gachnang ist der Alfred Huggenberger-Wanderweg ausgeschildert. Der Einstieg ist beim Bahnhof Frauenfeld, der erste Wegweiser beim Wiler-Bähnli und dann an der Buchhandlung vorbei Richtung Schloss. Die elf Kilometer lange Wanderung führt in die Landschaft um Gerlikon und Bewangen ZH, wo der Schriftsteller aufwuchs, Landwirtschaft betrieb und seine schriftstellerische Tätigkeit ausübte.
Die Alfred-Huggenberger-Gesellschaft hat mit Unterstützung der Thurgauer Kantonalbank elf Wegweiser mit QR-Codes bestückt, die Informationen zu Alfred Huggenberger und ein Gedicht enthalten. Beim ehemaligen Wohnhaus in Gerlikon und in Bewangen sowie beim Huggenberger-Denkmal ist zudem der Lebenslauf des Dichters mit einer Zeittafel abrufbar. Der Wanderweg ist gut mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar.
Es empfiehlt sich, diese schöne Herbstwanderung und die Gedichte von Alfred Huggenberger zu geniessen. Lohnend sind auch eine Führung durch die ehemalige Fabrik im Greuterhof und der Besuch des Telefonmuseums Telephonica.



