Ausgewählte Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit
05.11.2026 ElggAuch dieses Jahr hat der Verein Solidar Elgg – weltweit Projekte ausgesucht, die nun von der Gemeinde finanziell unterstützt werden. Das Thema ist: «Frauen und Kinder: Bildung-Recht-Sicherheit.»
Jedes Jahr im Frühling machen sich Mitglieder des Vereins Solidar ...
Auch dieses Jahr hat der Verein Solidar Elgg – weltweit Projekte ausgesucht, die nun von der Gemeinde finanziell unterstützt werden. Das Thema ist: «Frauen und Kinder: Bildung-Recht-Sicherheit.»
Jedes Jahr im Frühling machen sich Mitglieder des Vereins Solidar Elgg – weltweit an die Arbeit. Im Auftrag des Gemeinderates gilt es Projekte zu prüfen, die unterstützt werden könnten.
An Projektvorschlägen ist meist kein Mangel, doch längst nicht alle Projekte schaffen den Schritt in die Endauswahl. Zunächst wurden die Projekte in Kleingruppen von interessierten Elggerinnen und Elggern geprüft. Am 7. Juli fand die grosse Auswahlsitzung statt. Die Kleingruppen stellten die ausgewählten Projekte vor und begründeten ihre Auswahl. Angeregt wurde diskutiert und schliesslich entschieden, welche Projekte unterstützt werden sollen. 2026 konnten fünf Aufbauprojekte vorgeschlagen werden, das Thema in diesem Jahr lautete «Frauen und Kinder: Bildung-Recht-Sicherheit». Danach wurde festgelegt, welche Beträge den einzelnen Projekten zugesprochen werden. An der Gemeinderatssitzung im August genehmigte der Gemeinderat die Projektauswahl.
Jedes Jahr stehen 40’000 Franken für die Unterstützung von Projekten in Afrika, Asien, Süd- und Mittelamerika zu Verfügung, davon gehen jeweils 5000 Franken an das Projekt Suppentag. Die übrigen 35’000 Franken werden unter den ausgewählten Projekten verteilt. Ein Beitrag aus Elgg für Menschen in Not, und ein nachhaltiger Beitrag zur Verbesserung der Lebensumstände in den betroffenen Regionen.
In der «Elgger/Aadorfer-Zeitung» stellt der Verein die einzelnen Projekte der Bevölkerung vor.
REGULA VON WARTBURG, VEREIN SOLIDAR ELGG – WELTWEIT
Projekt «Wild Flower»: Unterricht schenkt Hoffnung (Afghanistan)
In Afghanistan ist Bildung für Mädchen nach der Grundschule verboten. 2023 gründete Mahbube Ibrahimi (Afghanin, Jahrgang 2005) den Verein «Wild Flower», um Mädchen dort Bildung zu ermöglichen.
Über Zoom und WhatsApp lernen hier inzwischen rund 300 Mädchen und Frauen zwischen 14 und 34 Jahren. Rund 120 Freiwillige engagieren sich als Coaches aus der Schweiz sowie aus Frankreich, Belgien und Luxemburg. Sie arbeiten unentgeltlich. Im Zentrum stehen Englisch und Deutsch, ergänzt durch Workshops in Politik, Informatik und Geschichte.
Das Projekt wurde ausgewählt, weil es niederschwellig und direkt zugänglich ist: Die Teilnehmerinnen benötigen lediglich ein Handy und Internetzugang. Diesen finanziert die Organisation mit Spenden. Gleichzeitig steht die Sicherheit an erster Stelle. Bewusst spricht man von «Coaching» statt Unterricht. Eine Gruppe besteht aus höchstens vier Schülerinnen und einem Coach und gilt damit als privates Telefonat.
Die Nachfrage ist gross, inzwischen gibt es eine Warteliste. Mehrere Auszeichnungen würdigen das Engagement der Gründerin. 2025 erhielt sie die «Stimme der Jugend» sowie den Prix Courage. Ihr Antrieb: Wer seine Rechte kennt, kann sie eines Tages auch durchsetzen.
Die Gemeinde Elgg unterstützt das Projekt mit 10’000 Franken.
Sambal Foundation: Safe Village in Sri Lanka, Betriebsfinanzierung
Die Zielgruppe der Sambal Foundation sind Frauen und deren Kinder, die von häuslicher und/oder sexueller Gewalt betroffen sind. Die Frauen und Mädchen, die Opfer von Gewalt wurden, stehen meist ohne jegliche finanziellen Mittel da. Die Sambal Foundation betreibt bereits vier Frauenhäuser und hat jetzt mit dem Safe Village ein Frauendorf eröffnet, um mehr Frauen und Kinder aufnehmen zu können, in staatliche Frauenhäuser dürfen die Kinder nicht mitgenommen werden. Das Safe Village bietet Schutz, Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung, Therapien, rechtlichen Beistand, eine Schule und weitere soziokulturelle Angebote, die den Weg in ein selbstbestimmtes Leben ebnen.
Die Sambal Foundation wurde 2018 von den Schweizern Devika und Luca Salomon gegründet, mit dem Ziel, gewaltbetroffenen Frauen Schutz zu bieten und Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen. Devika wurde 1985 in Sri Lanka geboren und als Baby von einer Schweizer Familie adoptiert. Das Schicksal ihrer leiblichen Mutter hat sie für ihr Projekt motiviert. Sie verbringt mit ihrer Familie jeweils fünf Monate in Sri Lanka, und arbeitet in der Stiftung mit.
Das Safe Village wurde von einer Schweizer Architektin geplant, von lokalen Unternehmen gebaut und hat nun im Sommer 2026 den Betrieb aufgenommen.
Die Nachfrage ist enorm, die Erfahrungen der bisherigen Arbeit hilft bei der Umsetzung der Ziele.
Die Gemeinde Elgg unterstützt das Projekt mit 8000 Franken.
Äthiopien: «Bienen für Tigrays Frauen» von Biovision
In Tigray im Norden Äthiopiens eröffnet die Imkerei jungen arbeitslosen Frauen neue Perspektiven. Das von Biovision unterstützte Projekt verbindet Ausbildung, Einkommensförderung und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. Bis Ende 2026 sollen 600 Frauen in moderner Imkerei sowie in der Produktion und Vermarktung von Honig und Bienenwachs ausgebildet werden. Zusätzlich erhalten junge Männer Schulungen entlang der Honig-Wertschöpfungskette.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Wiederaufforstung: 60’000 Setzlinge sollen gepflanzt werden. Die Bäume und Pflanzen liefern Nahrung für die Bienen, fördern die Biodiversität und schaffen zusätzliche Einkommensmöglichkeiten, etwa durch den Verkauf von Setzlingen, Gemüse und Kräutern. Gleichzeitig wird die Landschaft widerstandsfähiger gegen Dürren und Übernutzung.
Das Projekt baut auf erfolgreichen Erfahrungen auf: Bereits 301 Frauen konnten durch die Imkerei ein Haupteinkommen erzielen. Mit Wissenstransfer und einer wissenschaftlichen Begleitstudie sollen die erfolgreichen Ansätze langfristig verankert und auf weitere Regionen übertragen werden.
Die Gemeinde Elgg unterstützt das Projekt mit CHF 7000 Franken.
Kenia: «Ujuzi Wa Kujitegemea», soziale Integration und Berufsbildung
Das Projektgebiet liegt im Westen Kenias in Kitale und Umgebung. Hier ist die Armutsrate sehr hoch, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei etwa 70 Prozent. Das Projekt hat zum Ziel, Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen einen Lehrabschluss und ein regelmässiges Einkommen zu ermöglichen. Ausgewählte Jugendliche schliessen eine neunmonatige duale Ausbildung in Bauwesen, Coiffure, Elektroinstallation Sanitärwesen oder Schneiderei ab. Ausgewählte junge Mütter besuchen eine 15-monatige, praktische Berufsbildung und werden bei der Jobsuche oder beim Aufbau eines eigenen Geschäfts unterstützt. Sie erhalten das Material, das sie für die Ausübung des Berufs benötigen.
Das Projekt von Co-Operaid arbeitet mit der lokalen Organisation Child Rescue Kenya zusammen. Es profitieren 450 Jugendliche aus Kitale, 60 Prozent davon weiblich und 50 junge Mütter aus Kiminini.
Das duale Bildungssystem, eine Kombination von praktischer Ausbildung in einem Betrieb und Besuch einer Berufsschule, ist in Kenia noch wenig bekannt. Die Projektleitung ist mit den Behörden in ständigem Austausch, um eine umfassende Ausbildung zu erreichen.
Interessierte Jugendliche können sich bewerben, wer serös arbeitet und motiviert ist, hat die besten Chancen auf eine Ausbildungsplatz.
Die Gemeinde Elgg unterstützt das Projekt mit 5000 Franken.
Frauen für ein Leben ohne Gewalt, Dreieck Honduras, Guatemala, El Salvador
Die Region im Dreieck Honduras, Guatemala und El Salvador gehört weltweit zu den Gebieten mit den höchsten Raten an Femiziden und anderen Formen geschlechtsspezifischer Gewalt. Diese Gewalt ist weit verbreitet und gesellschaftlich teilweise normalisiert.
Besonders betroffen sind Frauen und Mädchen aus indigenen und sozial ausgegrenzten Gemeinschaften. Ein zentrales Problem sind die zahlreichen Fälle ungewollter Schwangerschaften bei Jugendlichen und jungen Frauen.
Das Projekt «Frauen kämpfen für ein Leben ohne Gewalt» von Solidar Suisse fokussiert auf besonders verletzliche, vom Staat vernachlässigte Bevölkerungsgruppen wie die Maya-Bevölkerung in Guatemala und die Garìfunas (afro-indigene Bevölkerung), sowie Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger in Honduras. Das Projekt ist von zentraler Bedeutung, weil es das Problem der geschlechtsspezifischen Gewalt in den Projektgebieten gezielt und umfassend angeht und gleichzeitig langfristige Veränderungen anstösst. Es verbindet Prävention (zum Beispiel Schulung Lehrpersonen, Gemeindevorsteher, Frauen), kultursensible Opferhilfe (zum Beispiel psychologische und medizinische Betreuung, geschützte Unterkünfte), Stärkung von Frauenorganisationen und politische Einflussnahme.
3700 Frauen und Jugendliche (Überlebende von Gewalt, Mitglieder von Basisorganisationen, Frauen und Jugendliche, die zu ihren Rechten ausgebildet werden) dazu ihre Familienangehörigen und die Bevölkerung (240’000 Personen) in drei Gemeinden und sechs Departementen sollen erreicht werden.
Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit Solidar Suisse von drei spezialisierten lokalen Organisationen durchgeführt.
Die Gemeinde Elgg unterstützt dieses Projekt mit 5000 Franken.





