Serie «Bekannte Namen, lokale Wurzeln»
05.02.2026 GESELLSCHAFTGrosse Geschichte beginnt oft im Kleinen. In unserer Region lebten und leben Menschen, deren Wirken weit über ihre Heimat hinausreicht. Diese Serie stellt bekannte und berühmte Persönlichkeiten vor, die hier geboren wurden oder hier verwurzelt sind und ihre Spuren hinterlassen ...
Grosse Geschichte beginnt oft im Kleinen. In unserer Region lebten und leben Menschen, deren Wirken weit über ihre Heimat hinausreicht. Diese Serie stellt bekannte und berühmte Persönlichkeiten vor, die hier geboren wurden oder hier verwurzelt sind und ihre Spuren hinterlassen haben – und erinnert an ihre Leistungen, Ideen und Lebenswege. So wie der Lehrer und Lokalhistoriker Johannes Nater aus Aadorf.
Johannes Nater
* 29. April 1856 in Hugelshofen;
† 16. Juni 1928 in Aadorf
Johannes Nater wurde in Hugelshofen in eine Bauernfamilie hineingeboren. Nach dem Besuch des Lehrerseminars Unterstrass in Zürich von 1872 bis 1876 unterrichtete er an der Seminarübungsschule in Schiers, 1879 an der Freien Schule Winterthur sowie von 1880 bis 1885 in Hugelshofen. Nach einem intensiven Wahlkampf, in dem auch seine Konfession eine Rolle spielte, wechselte er 1885 für den Rest seines Berufslebens an die Oberschule Aadorf.
Über viele Jahre wirkte Nater in Aadorf als Lehrer, Historiker und Ortschronist. Sein Name ist eng mit der systematischen Aufarbeitung der lokalen Geschichte verbunden. In einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen setzte er sich mit grosser Konsequenz dafür ein, das historische Gedächtnis der Gemeinde festzuhalten. Aadorf war für ihn nicht nur Wohn- und Arbeitsort, sondern ein Lebensraum, dessen Entwicklung er verstehen und vermitteln wollte.
Als Pädagoge verstand Johannes Nater Bildung als umfassende Aufgabe. Er vermittelte seinen Schülerinnen und Schülern nicht nur Faktenwissen, sondern förderte das Bewusstsein für Herkunft, Verantwortung und gesellschaftliche Zusammenhänge. Geschichte betrachtete er dabei als lebendigen Prozess, der das gegenwärtige Gemeindeleben prägt – eine Haltung, die auch seine Arbeit als Chronist bestimmte.
Seine ortsgeschichtlichen Studien betrieb Nater in seiner Freizeit. Ohne ein Geschichtsstudium absolviert zu haben, gilt seine Arbeitsweise als wegbereitend für die moderne Ortsgeschichtsschreibung im Kanton Thurgau. Seine Schriften befinden sich heute im Staatsarchiv des Kantons Thurgau.
Mit grosser Genauigkeit sammelte, ordnete und dokumentierte Johannes Nater historische Ereignisse, Alltagsbeobachtungen, das Vereinsleben sowie bauliche Veränderungen in Aadorf. Seine Aufzeichnungen bilden bis heute eine zentrale Grundlage für das Verständnis der lokalen Vergangenheit und werden von Gemeinde, Schulen und interessierten Privatpersonen genutzt. Anerkennung suchte er dabei nicht; sein Anliegen galt Verlässlichkeit und Dauerhaftigkeit.
Johannes Nater steht exemplarisch für Persönlichkeiten, deren Wirken oft im Stillen geschieht, deren Bedeutung für das kulturelle Selbstverständnis einer Region jedoch kaum überschätzt werden kann. Durch seine kontinuierliche Arbeit hat er Aadorf ein historisches Fundament hinterlassen, das Orientierung bietet, Identität stiftet und über seine aktive Zeit hinaus Bestand hat.
Gerade in einer wachsenden Gemeinde wie Aadorf, die sich im Spannungsfeld zwischen Tradition und Entwicklung bewegt, behalten seine Arbeiten besondere Aktualität. Sie machen nachvollziehbar, wie frühere Generationen lebten, entschieden und Verantwortung übernahmen, und zeigen, dass lokale Geschichtsschreibung ein wesentlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der demokratischen Kultur ist. Darin liegt der bleibende Wert seines Engagements für Aadorf und die gesamte Region.
SARAH STUTTE
Aus der Region – Menschen, die Spuren hinterlassen
Diese Serie porträtiert Persönlichkeiten aus Elgg, Hagenbuch und Aadorf, die über ihre Gemeinde hinaus Wirkung entfaltet haben. Politik, Sport, Kultur oder Geschichte: Die ausgewählten Frauen und Männer stehen exemplarisch für Leistungen, die in der Region wurzeln und kantonale oder nationale Bedeutung erlangten. Die Beiträge zeigen, wie lokale Herkunft, Engagement und Ausdauer Wege prägen – und warum regionale Geschichten Teil unserer gemeinsamen Identität sind. Wen sollen wir hier einmal vorstellen? Schicken Sie uns Ihre Vorschläge an redaktion@ elgger-zeitung.ch, mit einer kurzen Begründung, warum diese Person wichtig ist/war für die Region.

