Winterzeit ıst Lesezeiıt
22.01.2026Winterzeit ist Lesezeit. Ob im kuscheligen Sessel oder auf dem Sofa – der Winter bietet die perfekte Gelegenheit, in Geschichten einzutauchen. Auch wir in der Redaktion greifen ab und zu zum Buch. Eines davon stellen wir Ihnen hier vor. Und Sie? Welches Buch begleitet Sie gerade? Schreiben ...
Winterzeit ist Lesezeit. Ob im kuscheligen Sessel oder auf dem Sofa – der Winter bietet die perfekte Gelegenheit, in Geschichten einzutauchen. Auch wir in der Redaktion greifen ab und zu zum Buch. Eines davon stellen wir Ihnen hier vor. Und Sie? Welches Buch begleitet Sie gerade? Schreiben Sie uns!
Schattengrünes Tal
VON KRISTINA HAUFF
Ein heruntergewirtschaftetes Hotel im Familienbesitz in einem abgeschiedenen, aber reizvoll geheimnisvollen Tal mit Potenzial im Schwarzwald, das mehr schlecht als recht von alten Stammgästen lebt, birgt einiges an Geschichte. Familiendramen haben sich hier abgespielt, und tun es immer noch. Der Inhaber Carl, ein älterer, störrischer und rückwärtsgewandter Herr, kann nicht loslassen und sich ebenso wenig zu dringend nötigen Neuerungen durchringen. Seine Frau befindet sich seit vielen Jahren mit einer Demenz im Pflegheim, seine ehemalige Angestellte Margret ist auch seine Partnerin, zu der er aber öffentlich nicht stehen will. Die Tochter Lisa hilft im Hotel mit, wird aber vom Vater nicht als Nachfolgerin akzeptiert. Der Sohn Felix hat die Flucht ergriffen und lebt zufrieden ein Leben fern der ursprünglichen Ambitionen als Pianist
Faszination, Manipulation und Angst
Die private Idylle der Tochter und ihrer Familie wird jäh gestört, als eine geheimnisvolle Fremde in ihr Leben eindringt, privat wie auch im Hotel, und nach und nach sogar in das des ganzen Dorfes. Zuerst überall beliebt und scheinbar die Bedürfnisse des jeweiligen Gegenübers erfüllend, erweist sie sich zunehmend als Spaltpilz in den Beziehungen der verschiedenen Charaktere.
Geschickt macht die Autorin sichtbar, wie Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung es mit ihrer zum Teil faszinierenden Art schaffen können, auch scheinbar gefestigte Persönlichkeiten zu verunsichern, zu manipulieren und sie in die Angst zu versetzen, der eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen zu können. Viele von uns haben Ähnliches zumindest in Ansätzen schon erlebt. Es existiert nicht umsonst eine umfangreiche Ratgeberliteratur dazu.
Die Geschichte entwickelt sich zu einem Psychodrama, das einen tiefen Einblick in die Seele der einzelnen Figuren gewährt. Fast endet dadurch das Leben der Protagonistin – und vor allem auch das ihres Mannes Simon, der mit der Fremden eine unheilvolle Vergangenheit verbindet, wie sich im Laufe der Geschichte herausstellt – in einem Scherbenhaufen. Doch es kommt anders, als man denkt.
Spannend und einfühlsam erzählt
Geschickt wird die Spannung in verschiedenen Handlungssträngen aus vier unterschiedlichen Perspektiven heraus aufgebaut und bis zum Schluss aufrechterhalten. Die Sprache ist vielfältig, erzählerisch einfühlsam, flüssig und dennoch leichtfüssig und unterhaltsam.
Gemäss einiger Rezensenten ist es nicht das Beste der bisher erschienenen drei Romane der Autorin, die alle dem gleichen Genre angehören. Für mich hat das Buch auf kurz gehaltenen 300 Seiten aber auf jeden Fall angenehme Unterhaltung geboten und gleichzeitig zum überschaubaren und nicht belastenden Nachdenken über die vielfältigen psychologischen zwischenmenschlichen Mechanismen angeregt.
Auf jeden Fall eine empfehlenswerte Lektüre.
BETTINA STICHER
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