le’s Gedanken …
29.01.2026 GESELLSCHAFT«Einmal Pfadi – immer Pfadi», im Verlaufe ihrer über 100-jährigen Geschichte hat die grösste Jugendbewegung der Schweiz Generationen von Schweizerinnen und Schweizern geprägt. Auch ich zehre heute noch von den Erfahrungen von damals. Für mich waren die ...
«Einmal Pfadi – immer Pfadi», im Verlaufe ihrer über 100-jährigen Geschichte hat die grösste Jugendbewegung der Schweiz Generationen von Schweizerinnen und Schweizern geprägt. Auch ich zehre heute noch von den Erfahrungen von damals. Für mich waren die Samstagnachmittage einer der wichtigsten Nachmittage der Woche. In der Pfadi durften wir Knaben uns draussen frei bewegen und vieles tun, dies immer gemäss unserem damals abgegebenen Versprechen, dem Bekenntnis jedes Einzelnen zu den Idealen der Bewegung. Dafür legt jeder Pfadfinder das Pfadfinderversprechen ab. Die ursprüngliche Fassung wurde durch den Gründer der Pfadfinderbewegung Baden-Powell formuliert. Aufbauend auf Baden-Powells Formulierung haben fast alle Pfadfinderverbände eigene Versprechens-Texte entwickelt, die sich meist an den drei Kernpunkten des Originaltextes orientieren: Verpflichtung gegenüber Gott, Verpflichtung gegenüber den Mitmenschen, Verpflichtung gegenüber sich selbst.
An einem Samstagmorgen rief ich nach der Schule einem Kameraden irgendwelche Schimpfwörter nach. Da packte mich eine feste Hand am Kragen: «Bürschchen, heute Nachmittag kommts du ins Pfadiheim Wippel und machst dort bei den Pfadfindern mit», sagte mein zukünftiger Lehrer und Pfadi-Leiter Dr. Andreas Leuzinger v/o Chlotz. Dieses Ereignis sollte mein Leben und die nachfolgende Schulzeit bei Chlotz, massgebend prägen. Mit der Einwilligung meiner Eltern fuhr ich ins Pfadiheim und wurde dort ins Fähnli Bison aufgenommen. Nun war für mich die Zeit im braunen Hemd mit der schwarz-grünen Krawatte unter dem grossen Schlapphut sehr wichtig. Bald nach meinem Eintritt taufte man mich auf den Namen Schlag (der Schlagfertige). Meine Fähnchen-Kameraden überfielen mich im dunklen Wald des Langlochs, banden mich mit Seilen an einen Baum und brachten über meinem Kopf meinen Pfadfindernamen an, unter dem mich heute noch viele kennen.
Hier lernte ich Freunde fürs Leben kennen und bald wurde ich Venner und Stammführer. Später leitete ich als Feldmeister die Pfadfinder von Thayngen. Einer der Höhepunkte war das von mir geleitete Sommerlager in der Lenk im Simmental im Jahre 1964. Auch der Besuch des Bundeslagers im Jura (1956) und im Domleschg (1965), das Herbstlager in Ponte Brolla (1957) das Sommerlager im Klöntal (1958), in Blatten im Lötschental (1959) und in Rom (1965) gehörten zu den Höhepunkten meiner Pfadfinderlaufbahn. Später leitete ich die Rotte «Gamin» und wir gewannen den Morgenstern am kantonalen Roverschwert. Noch heute treffen wir inzwischen ergrauten Altpfadfinder uns monatlich zu einem Stamm und als Verein erhalten wir die so wertvollen Freundschaften aus der Jugendzeit.
Bei der Pfadi haben meine Kameraden und ich gelernt, in jeder noch so schwierigen Situation füreinander da zu sein. Beim Pfadigruss deckt der Daumen den Kleinfinger: Der Stärkere ist für den Schwächeren da, unabhängig davon, ob man aus einer reichen oder einer armen Familie kommt. Die Uniform war das äussere Zeichen dafür: Wir sind alle gleich. Hier habe ich gelernt Verantwortung zu übernehmen für mein späteres Leben, dies im Bereich meiner beruflichen, politischen und gesellschaftlichen Tätigkeit. Meine langjährige Zeit hat mich geprägt für mein ganzes Leben, dies unter dem Grundsatz: «Allzeit bereit».
WERNER LENZIN

